Türkei, das ist nicht nur Istanbul und Trois. und Ephesus, Ankara und NATO, Teppiche und Rosenöl – der größte Teil der Türkei ist Landschaft von beängstigender Weite: Anatolien. In Üsküdar, am asiatischen Bosporusufer in Istanbul, zeigt ein Wegweiser in entgegengesetzte Richtungen: „Avrupa“ und „Anadolu“. Nach Europa geht es in der einen, nach Anatolien in der anderen Richtung.

Die Helden des Streckenabschnitts zwischen Artvin und Yusufeli sind die Straßenwärter und Lastwagenfahrer.

Im Sommer 1965 haben Muren und Steinlawinen die Straße verschüttet. Schwere Unwetter stürzten die Trasse in den Fluß. Aber die georgischen, lasischen und armenischen Straßenarbeiter schufteten, um die Straße nach und von Erzurum offenzuhalten. Und die Lastwagenfahrer warteten klaglos.

Dabei war die Strecke nie richtig gesperrt. Sicher, es gab Wartezeiten. Vielleicht ein paar Stunden. Zwei, vielleicht auch sechs oder acht. Dann tranken sie Tee, aßen Weintrauben, Gurken und Brot. Den Tee holten Kinder aus armseligen Häusern.

Kommt ein Tourist vorbei, so kann es sein, daß ihm der Raupenfahrer eine Trasse in den Schuttkegel schiebt. Kommt der Tourist aus Deutschland und wagt sich vielleicht nicht auf die fragwürdige Bahn im lockeren Geröll, so kann es ihm passieren, daß Arbeiter, wartende Lastwagenchauffeure und Omnibusbesatzungen sein Auto über das Hindernis tragen.

Tanklaster aus Iskenderun, Transporter mit Tabak aus Samsun oder Baumwolle aus Kilikien haben über den Windschutzscheiben häufig Aufschriften wie „Allaha korosun“ (Gott, ich vertraue auf Dich). Das sind wörtlich zu nehmende Bekenntnisse der Fahrer. Denn eines ist gewiß: Ein anatolischer Chauffeur wird in seinem Gottvertrauen von niemandem übertroffen.

Hassan, Osman oder Mehmet müssen bei der Fahrprüfung keine großen Beweise ihrer Kenntnis der Verkehrsregeln liefern. Doch ihre Reaktionsschnelligkeit wird getestet.