Auf dem Aktienmarkt werden neue Jahreshöchstkurse angesteuert. Einige Papiere haben ihren im März erreichten bisherigen Spitzenstand schon überschritten. Damals gab es einen Rückschlag, weil sich die Aktienkäufer zu viel von einer Lockerung der Kreditbremsen und von der psychologischen Wirkung des ersten Eventualhaushaltes versprochen hatten. Die pessimistischen Ausführungen in den Geschäftsberichten und auf den Hauptversammlungen wirkten wie eine kalte Dusche. Heute, da die ersten Nachrichten über eine Belebung im Investitionsgüterbereich vorliegen, steht der Börsenoptimismus auf festeren Füßen.

Dieser Meinung ist auch das solide Anlagepublikum, wie der langsame Kursanstieg der Spitzenwerte des Chemie-Marktes und der Großbankaktien beweist. Wer hier kauft, scheut zwar alle Konjunkturspekulation, will aber von der ersten Stunde der neuen Börsenphase an dabei sein. Die deutschen Investment-Fonds, immer noch recht flüssig, scheinen noch nicht bereit zu sein, „mit dem letzten Pfennig“ einzusteigen; sie halten temporäre Rückschläge weiterhin für möglich.

Die eigentliche Würze in das Geschäft, dem offenbar diesmal die sonst übliche Sommerpause zum Opfer fällt, bringt die Börsenspekulation, betrieben nicht nur von dem sogenannten Berufshandel, sondern ebenso von solchen Banckunden, die bereit sind, auch einmal etwas zu riskieren. Ihre Überlegungen drehen sich um die Frage, wo der Konjunkturumschwung am ehesten und am kräftigsten sichtbar werden wird.

Eine gewisse Sonderstellung nehmen in dieser Hinsicht die Eisen- und Stahlaktien ein. Die Montankonzerne hatten unter der Konjunkturflaute am meisten zu leiden; sie haben sich zwangsläufig von Kostenballast befreien müssen, und – so hofft man jedenfalls – die Stahlkontore werden sich günstig auf die Rentabilität auswirken, sobald eine Geschäftsbelebung eintritt. Daß manche Käufer von Stahlaktien lediglich gefühlsmäßig disponierten, zeigte deutlich die Bevorzugung aller Papiere, die unter Pari standen. Motto: Was billig ist, wird am meisten steigen! Im Falle von Oberhausen und Ilseder Hütte ist diese Primitivspekulation aufgegangen.

Als nächste Gruppe faßte die Spekulation die Maschinenbauaktien an, die ebenfalls als besonders konjunkturgeschädigt gelten. Wegen ihrer meist engen Märkte erzielten sie sprunghafte Kurssteigerungen. Zu den Konjunkturwerten „zweiter Welle“ werden die deutschen Auto-Aktien gerechnet. Daimler erreichten bereits einen neuen Jahresspitzenkurs. Wird die VW-Aktie folgen? Die größeren Umsätze in diesem Papier beweisen, daß manche Leute dies für wahrscheinlich halten. K. W.