Von Gerhard Bartels

München

Der CSU-Politiker, Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Bonner Verteidigungsausschusses Friedrich Zimmermann feierte kürzlich Geburtstag. 42 Jahre wurde er alt. Aber seine Parteifreunde, die sonst immer als erste mit Glückwünschen zur Stelle waren, blieben diesmal aus. Und auch an den anderen Fronten präsentierte sich die Lage seiner Karriere etwas düster. Schon redete der Bonner SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Jansen von Konsequenzen, die aus dem Fall Zimmermann zu ziehen seien, und FDP-Fraktionssprecher Dietrich Feuerherdt empfahl der CSU und Zimmermann dringend, „das Zwielicht auszuräumen“, in das der gelernte Rechtsanwalt wieder einmal getaucht ist.

Für das Zwielicht hat der geprüfte Jäger selbst gesorgt, indem er ein Feuer anzündete, das ihm jetzt plötzlich ausging. Was er noch im Frühjahr als „ungeheuerliche Lügen“ bezeichnet hatte, ließ er nun auf sich beruhen und ließ durch seinen Anwalt alle einstweiligen Verfügungen zurückziehen, die er gegen eben diese „Lügen“ erwirkt hatte. Sie betrafen seine Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender der Baugesellschaft „Bayerische Union“. Die Gesellschaft, die einst als eine Art christlichsoziales Gegenstück zur gewerkschaftlichen „Neuen Heimat“ gedacht war, rutschte in diesem Frühjahr knapp am Konkurs vorbei in den Vergleich. Ihre rund 600 Gläubiger sollten innerhalb von drei Jahren 35 Prozent ihrer Forderungen bekommen.

Aber es war nicht die Pleite seiner Baugesellschaft – neben dem Aufsichtsratsposten hielt Zimmermann auch noch eine Kapitalbeteiligung von 125 000 Mark –, die ihn um einstweilige Verfügungen nachsuchen ließ. Vielmehr trieb ihn ein Brief auf die Barrikaden, den ein altgedienter Parteifreund, der Münchener städtische Oberamtmann Hans Pflüger, am 5. Oktober 1966 an einen weiteren Parteifreund, den bayerischen Kultusminister Huber, geschrieben hatte. Pflüger hatte darin abenteuerliche Erfahrungen mit der christlich-sozialen Baugesellschaft zum besten gegeben. Der Oberamtmann, in dessen Auftrag die „Bayerische Union“ 1960 und 1961 ein Mietshausprojekt in der Größenordnung von 11,5 Millionen Mark errichtet hatte, beklagte sich unter anderem darüber, daß Zimmermanns Baugesellschaft noch immer mit der ordnungsgemäßen Abrechnung in Verzug sei. Pflüger bezeichnete das Unternehmen als „höchst unseriös“. Er schilderte, wie die Gesellschaft ungerechtfertigt seinem Mietkonto angebliche Gebühren auf Darlehen entnahm, sie teilweise erst nach Gerichtsurteilen zurückerstattete und auch, vor „kriminellen Praktiken nicht zurückschreckte“. Zimmermann sei ein „Hauptakteur“ des Unternehmens. Eine Partei die solche Machenschaften decke, mache sich unglaubwürdig und müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, „selbst korrupt zu sein“.

Den Briefempfänger Huber rührte dies wenig. Er beantwortete das Schreiben einfach nicht. Dafür wurde aber Friedrich Zimmermann wunschgemäß eine einstweilige Verfügung ausgestellt. Pflüger wurde verboten zu behaupten, Zimmermann habe sich als Jurist und Politiker schützend vor strafbare Handlungen der Geschäftsführung der „Bayerischen Union“ gestellt. Er sei Hauptakteur eines höchst unseriösen Unternehmens, das sich Lumpereien erlaube.

Aber Pflüger gab nicht auf. Er legte Widerspruch gegen alle Verbote ein, packte seine reichen Erfahrungen mit dem Geschäftsgebaren von Zimmermanns „Union“ auf den Richtertisch und behielt praktisch immer recht.