Die 14 Mitglieder der neuen vereinten Europa-Kommission in Brüssel haben in einer harten Nacht ihre Aufgaben untereinander verteilt. Es fällt auf, daß die drei Deutschen dabei alle jene Ressorts in Obhut bekamen, deren gute Betreuung Bonn besonders am Herzen liegt.

EWG-Vizepräsident Fritz Hellwig hat für den Entwurf einer europäischen Wissenschafts- und Forschungspolitik zu sorgen, deren Ziel es sein soll, den technologischen Rückstand der Alten Welt gegenüber den USA und der Sowjetunion zu beenden. Hellwig ist auch federführend bei der Formulierung der Kommissionsstellungnahme zu den Beitrittsgesuchen Großbritanniens, Dänemarks, Norwegens und Irlands.

Der Deutsche Hans von der Groeben hat die Aufgabe, den wirklichen freien Binnenmarkt herzustellen: Nach dem Ende aller Zölle zwischen den sechs EWG-Staaten, deren Zollunion am 1. Juli nächsten Jahres beginnt, bleiben Tausende von technischen und administrativen Handelshindernissen, wie etwa Eich-Kontrollen beim Handel mit Waagen oder Sicherheitsprüfungen beim Verkauf von Druckkesseln innerhalb der EWG. Hier soll Groeben den EWG-Dschungel roden. Bereits im Oktober will er sein Aktionsprogramm vorlegen.

Der Brüsseler Neuling Wilhelm Haferkamp bearbeitet für Europa die Pläne einer gemeinsamen Politik, die den Industrien billige Energie aus Erdöl, Atomkraft und (der zur Versorgungssicherung notwendigen) Kohle in allen sechs Ländern zu gleichen Preisen bringen soll.

In vier entscheidenden Sachbereichen sind damit in Brüssel die Deutschen am Drücker. Der Chance, sowohl Deutschland als auch Europa zu nützen, steht allerdings das Risiko gegenüber, schwersten Angriffen ausgesetzt zu sein, wenn ihre Pläne scheitern.

Im übrigen sind zuständig: Raymond Barre (Frankreich) für Wirtschafts- und Finanzfragen, Sicco Mansholt (Holland) für Landwirtschaft, Lionello Levi-Sandri (Italien) für Soziales und Personalfragen, Victor Bodson (Luxemburg) für Verkehrsfragen, Guido Colonna die Palliano Italien) für Industrie, Albert Coppe (Belgien) für Haushalt und Information, Jean-Francois Deniau (Frankreich) für Außenhandel, Edoardo Martino (Italien) für auswärtige Beziehungen, Henri Rochereau (Frankreich) für Entwicklungshilfe und Emanuel Sassen (Holland) für Wettbewerbs- und Kartellfragen. Präsident der Kommission ist Jean Rey. hb.