Von Heinz Josef Herbort

Der Taxifahrer in der Bayreuther Opernstraße konnte es sich leisten, fünf Anmeldungen für den Zeitraum von fünfzig Minuten auf seinen Terminblock zu nehmen; er wußte: „Es geht heuer viel geregelter ab.“

In der Tat: während früher zwei, allenfalls drei Wagen gleichzeitig zwischen Festspielhaus und Restaurantbaracke vorfahren und Haute Couture, Charme und die Bräune südlicher Urlaubswochen entsteigen lassen konnten, haben jetzt fünf, sechs Limousinen Platz unter einem neuen, längs der ganzen Nordwestseite des Hauses errichteten Markisen-Baldachin, der dem alten Gebäude aus Fachwerk und Backstein das Air eines Appartementhauses an New Yorks Fifth Avenue verleiht.

Geregelter vollzieht sich jetzt auch die Vorfahrt der ganz Großen, deren Wagen den bayerischen oder gar den Bonner Stander führen, sie werden bereits unterhalb des Festspielhauses auf einen gesonderten Weg geleitet und haben es nicht mehr nötig, die Abfertigung gewöhnlicher Festspielbesucher abzuwarten.

Geregelt schließlich ist auch das Problem der wie immer zahlreichen schaulustigen Bayreuther, die ihre Stars jetzt nur noch hinter der Seilabsperrung auf die Distanz von drei Fahrbahnen bewundern dürfen.

Weniger gut geregelt scheint mir, wie das, was neu auf der Bühne des Festspielhauses präsentiert wird, auf attraktivem Festspielniveau gehalten werden soll.

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