Sehr sehenswert:

„Blow Up“, von Michelangelo Antonioni. „Il mondo Antonioni“, vom Kopf auf die Füße gestellt. Fanden sich bisher die Helden Antonionis nach einem Schock, der sie persönlich getroffen hatte, ohne Haut der Welt ausgeliefert, so wird hier die bedingungslose Offenheit gegenüber allen Reizen der Umwelt dargestellt als charakteristische Disposition der Zeit. Die „Krankheit der Gefühle“ ist die eigentliche Gesundheit der Epoche.

Sehenswert:

„Los, laß uns doch mal verrückt spielen!“ Im Gegensatz zu dem deutschen Verleihtitel nimmt der Film des jungen Schweden Jan Halldoff seine jugendlichen Helden ernst: eine Clique von ungezogenen Halbwüchsigen, für die sich individuelle Freiheit erst ein wenig außerhalb der Grenzen bürgerlicher Legalität realisiert – und also aufhört, Freiheit zu sein. Ein Film über die eherne Alternative von Anpassung oder gesellschaftlicher Selbstauslöschung.

„Champagner-Mörder“. Eine monströse Erbschaftsintrige führt zu einer Kette von Morden, falschen Verdächtigungen und sogar Selbstbezichtigungen. Claude Chabrols Verachtung für „seriöse“ Themen und Genres ist zugleich seine Verachtung für die bürgerliche Gesellschaft, die sich in ihnen feiert. Ihr sucht er beizukommen in den Masken, die ihr zukommen, denen des Thrillers und der Farce.

„Das Insektenweib“. Auf den ersten Blick: ein Sittenfilm mit typisch fernöstlichen Kraßheiten. Auf den zweiten: ein Frauenleben im Sturm der Zeit (1918–1962). Auf den dritten: ein nahezu Brechtscher Film über das Leben einer japanischen Mutter Courage. Shohei Imamuras „Insektenweib“ sucht im Leben seinen Vorteil, einmal als Gewerkschaftssprecherin, einmal als Puffmutter; sie versteht zu organisieren, aber immer wieder greift sie zu kurz und muß lernen, daß kein Pakt mit den gesellschaftlichen Mächten dem einzelnen dauerhaftes Glück verspricht.

„Die Hörige“. Ein filmhistorisches Kuriosum: ein schwedischer Film aus dem Jahre 1944 (Regie Alf Sjöberg), zu dem der 26jährige Ingmar Bergman das Drehbuch schrieb; ein ganz und gar expressionistisch inspiriertes und inszeniertes Melodram um Pennälerleid und Paukerwillkür, mit einem Lateinlehrer, der aussieht wie Heinrich Himmler und den die Schüler Caligula nennen. Die Konsequenz des stilistischen Entwurfs kann man bewundern.