Das Geschäftsjahr 1966 war für BMW in doppelter Weise golden: Die Gesellschaft konnte nicht nur ihr 50jähriges Jubiläum feiern, sondern auch stolze Erfolge melden. Im Pkw-Bereich stieg die Produktion um 9,4 Prozent von 67 709 auf 74 076 Fahrzeuge, die Zahl der Motorräder wuchs um 27,4 Prozent auf 9071 Einheiten. Noch besser spiegelt allerdings die Umsatzzunahme die Aufwärtsentwicklung wider: mit einer Steigerung von 28 Prozent wurde die Dreiviertelmilliarde überschritten. Durch die Programmbereicherung – BMW fertigt seit 1966 nur noch Pkw-Modelle der „neuen Klasse“ – konnte die Wertschöpfung beträchtlich gesteigert werden. So ließ sich denn auch die Fertigung dieser Wagen (Typen 1600, 1800, 2000) gegenüber dem Vorjahr um 26,6 Prozent steigern.

Diese Entwicklung scheint sich auch 1967 fortzusetzen. Unbeeindruckt von der Rezession, die die meisten deutschen Autohersteller erfaßte, nahm das Geschäft bei BMW einen „antizyklischen“ Verlauf. Im ersten Halbjahr 1967 setzte das Unternehmen bereits über 500 Millionen Mark um. In dieser Summe sind allerdings etwa 60 Millionen Mark von der Anfang des Jahres neuerworbenen Tochtergesellschaft Hans Glas GmbH, Dingolfing, enthalten. Zwar wagt BMW-Chef Wilcke für 1967 die Umsatzmilliarde noch nicht zu prophezeien, doch wird man ihr zumindest nahe kommen.

Das Geheimnis dieses Erfolges liegt in der Erschließung eines Marktes, dessen Käuferkreis bisher von der Rezession wenig berührt wurde, und überdies in jenem Image, mit dem man die sportlichen Modelle der „neuen Klasse“ umgeben konnte, was der Ertragslage des Unternehmens zugute kommt. Der Jahresüberschuß von 15,7 (i. V. 16,2) Millionen Mark und die Dividende von 12 Prozent sagen hierüber wenig aus. Dagegen läßt der erheblich höhere Ertragssteueraufwand auch ohne die Nachzahlungen von 8‚4 Millionen Mark vermuten, daß das Unternehmen einige stille Reserven gebildet hat.

BMW wird die Reserven für den weiteren Ausbau brauchen können, um so mehr, als es 1967 die Umstellungen bei Glas zu verkraften gilt. Immerhin können übernommene Verlustvorträge von der Steuer abgesetzt werden, und auf lange Sicht kann BMW das Areal in Dingolfing gut gebrauchen. Bis 1969 will das Unternehmen 230 bis 240 Millionen Mark investieren, davon 70 Millionen im laufenden Jahr. Das charakterisiert wohl am besten die Zukunftserwartungen, die Wilcke mit leichtem Understatement als „durchaus positiv“ bezeichnete. gr