Information tut not. Kunst, in Westdeutschland nur allzulang als Sache der Eingeweihten aus der handfesten Diskussion entfernt, braucht diese Information. Kunstkritik braucht die Information, um uns vor dem Geschwätz zu verschonen, Blau sei die Komplementärfarbe von Rot, Arnold Leissler sei ein Pop-Maler, die erste Pop-Art sei in New York gemacht worden – drei beliebig aufgegriffene Fehlmeldungen, die nicht durch Glaubensakte, sondern durch stichhaltige Information zu widerlegen sind. Informationsquellen der Kunstkritik sind in erster Linie der Fernseh- oder Filmbericht, das Buch, die Zeitschrift und Zeitung, Kataloge.

Ein Institut, könnte man meinen, tut not. Ein Institut, wo vieles – wer strebt schon die Totale an – gesammelt, archiviert, daraufhin dem Interessierten zugänglich gemacht wird. Ein „Institut für moderne Kunst“, wie es in Nürnberg am 21. Juli gegründet wurde. Hier sollen, so die Präambel, „junge Künstler aus Deutschland und anderen Ländern eine Dokumentationssammlung erhalten“, hier sollen Vorträge, Ausstellungen und ähnliches mehr angeregt werden. Später einmal wird das gesammelte Material an ein kunsthistorisches Archiv weitergegeben „und durch die ständige Zuführung junger Künstler der Gefahr einer Erstarrung vorgebeugt werden“.

Die Sprache sagt es: Junge Künstler werden wie Frischwasser oder wie Erbsen „zugeführt“, und zwar „ständig“. Was im übrigen „junge Kunst“, was „junge Künstler“ sind, liegt auf der Ebene dessen, was hierzulande als solche deklariert wird: Emil Schumacher: Jahrgang 1912; K. O. Götz: 1914; Bernard Schultze: 1915; Jiří Kolář (CSSR): 1914; Francis Bacon (England): 1909 – dies nur, um die obere Altersgrenze zu illustrieren. Jung heißt hier offensichtlich nur jung im Verhältnis zu den Altherren des Beirates, der über die Auswahl entscheidet: Willem Sandberg, Will Grohmann, Oto Bihalji-Merin zum Beispiel.

In Nürnberg hat man sich, der ersten Auswahl nach zu urteilen, zu Künstlern entschlossen, über die Dokumentation in Form von Monographien, Museumskatalogen bereits vorliegt. Mißt man die Auswahl an dem, was die Präambel fordert (dreimal ist dort von jungen Künstlern die Rede), so ist sie zum großen Teil unangemessen. Auch wenn die Liste von einigen Antes, Klapheck, von Grävenitz geziert wird. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Jürgen Claus