Zu Preisen, die man noch vor drei oder vier Jahren als reine Utopie bezeichnet hätte, wird heute von den großen Unternehmen des Massentourismus die halbe Welt offeriert. Dies ist der Erfolg eines bisweilen gnadenlosen Konkurrenzkampfes im Geschäft mit dem Fernweh. Durch Strukturverschiebungen und Interessenfusionen wurden die Tore zu fast allen Ferienparadiesen dieser Erde aufgestoßen. Haben Touropa-Scharnow mit ihrem Amerika-Angebot bewiesen, welche Preisreserven im Fernreisegeschäft stecken, so sind die Früchte, die der Globetrotter im kommenden Winter ernten kann, noch süßer. Beispiele: 16 Tage Bahamas mit Flug und Hotelaufenthalt 1198 Mark; kombinierte Flug-Schiffs-Reise quer durch die Karibische See mit Jet-Anflug und Aufenthalt bei voller Verpflegung 1998 Mark; 17tägige Flugreise nach Thailands Hauptstadt Siam einschließlich Hotel und Frühstück 1488 Mark; Weiterflug von Bangkok ins Südseeparadies Bali rund 1000 Mark; 17-Tage-Flugreise nach Ceylon einschließlich Vollpension unterhalb der 1500-Mark-Grenze.

Das Jahr 1967, mit sehr viel Erwartungen zum „Welt-Reisejahr“ proklamiert, ist gekennzeichnet von drei bestimmenden Faktoren: von Krieg, Krise und Konzentration. Der Nahost-Krieg zwang die Planer in den Zentren des Fernwehs zu Überstunden. Die arabischen Länder wurden mit dem ersten Kanonendonner aus den Katalogen der Traumziele fast völlig gestrichen. Selbst jene Staaten, die von Fliegerangriffen und Panzerattacken verschont blieben, Marokko, Algerien und Tunesien zum Beispiel, klagen über verödete Strände, über leere Hotels und verwaiste Restaurants. Mit erstaunlichen Preisreduzierungen versucht man in der arabischen Welt die Devisenbringer aus Germany wieder zu locken.

Bulgarien und Rumänien, Jugoslawien, Italien und Spanien sind die Nutznießer aus dem Krieg. Der Deutsche Reisebüro-Verband: „Die reibungslos durchgeführten Umbuchungen haben bewiesen, wie flexibel das deutsche Reisebürogewerbe zu arbeiten versteht...“ Die große Zahl der Umbuchungen läßt darauf schließen, daß in den privilegierten europäischen Ferienzentren noch genügend Bettenreserven vorhanden waren, um die vielen Umdispositionen möglich zu machen.

Nur stets neue, noch weitere, noch lukrativere Ziele können das Verlangen nach „Urlaubskonsum“ schüren. Angebote, wie sie in dieser kommenden Wintersaison gemacht werden, sind nur möglich durch Mobilisierung der letzten Reserven. Die jüngste Anstrengung der Großen im Reisegeschäft ist die Konzentration. Nach der Vernunftehe zwischen Touropa und Scharnow, zu der sich noch Hummel gesellte, nach der Interessenverbindung zwischen Quelle und Transeuropa kommt die Interessengemeinschaft vier weitererer großer Reisebürounternehmen nicht überraschend. Hinter dem wohlklingenden Firmenschild Airtours-International verbergen sich das Deutsche Reisebüro (DER), größter Veranstalter für Individualreisen in Europa, das Reisebüro Hapag-Lloyd, die Düsseldorfer Airtour-Flugreisen und das Amtliche Bayrische Reisebüro in München. Allerdings wird das neue Unternehmen nicht ins Charter-Geschäft einsteigen, sondern gut kalkulierte IT-Reisen verkaufen. Darüber, wie man im kommenden Winter lukrativ in den schon überfüllten Markt einzusteigen gedenkt, macht sich zur Zeit das Spitzentriumvirat der Airtours-International (Geschäftsführer Peter S. Rickmers, Prokuristen Ewald Vollrath und Lothar Höck) Gedanken. Auf jeden Fall wird wieder einmal der Flugpassagier Nutznießer sein. Horst Hachmann