Ägypten beging den 15. Jahrestag seiner siegreichen Revolution gegen das Faruk-Regime im Zeichen der Niederlage. Staatspräsident Nasser hatte alle Feierlichkeiten abgesagt. Statt dessen hielt er in der Kairoer Universität eine mit Spannung erwartete Rede.

Nasser kündigte eine – Reorganisation der Armee und eine Konsolidierung des Sozialismus im ganzen Land an – offenbar eine Reaktion auf sowjetische Wünsche. Zwei „Prawda“-Korrespondenten hatten in der sowjetischen Zeitschrift „Im Ausland“ scharfe Kritik am ägyptischen Offizierskorps und an den innenpolitischen Verhältnissen geübt.

Im übrigen verurteilte Nasser Israel als Aggressor und lehnte direkte Friedensverhandlungen ab. Gegen die USA richtete er scharfe Angriffe, pries aber den Beistand der Sowjetunion und lobte die „ethische Haltung“ Frankreichs.

Eine Überprüfung der außenpolitischen Beziehungen zu allen israelfreundlichen Staaten wird auf der Tagesordnung der großen arabischen Gipfelkonferenz stehen, die für den 10. August in Khartum/Sudan vorgesehen ist. Ihr soll am 3. August ein Außenministertreffen vorangehen.

In Washington wird geprüft, ob die USA angesichts der massiven sowjetischen Waffenlieferungen nach Ägypten ihre Rüstungshilfe für Israel, Jordanien, Saudi-Arabien, Tunesien, Marokko und den Libanon wiederaufnehmen sollen, um das militärische Gleichgewicht im Nahen Osten zu sichern. Israel soll bereits als Gegenleistung erbeutetes sowjetisches Kriegsgerät angeboten haben.