Von Peter Grubbe

June Rossbach Bingham: U Thant, Eine Biographie; Econ-Verlag, Düsseldorf, 352 Seiten; 20,– DM

Bei dem kurzen Krieg im Nahen Osten haben die Vereinten Nationen eine recht erhebliche, wenn auch nicht immer sehr glückliche Rolle gespielt. In vielen Ländern wirft man der UN vor, sie habe Nasser zu bereitwillig nachgegeben, ihre Truppen zu schnell von der Sinaihalbinsel abgezogen und dadurch, anstatt einen Krieg zu verhindern, diesen Krieg praktisch erst ausgelöst. In anderen Ländern, vor allem in den arabischen Staaten, zollte man der UN gerade deswegen uneingeschränktes Lob.

Lob und mehr noch Tadel richten sich jedoch vielfach nicht gegen die Organisation, gegen ihre Zusammensetzung, ihre Delegationen und ihre Beschlüsse, sondern gegen den Mann, der sie leitet, gegen ihren Generalsekretär. Ähnlich wie einst Dag Hammarskjöld, ist heute sein Nachfolger U Thant in das Kreuzfeuer heftiger öffentlicher Auseinandersetzungen geraten. Es hat in den letzten Monaten kaum eine Woche gegeben, in der nicht sein Name in den Schlagzeilen der Presse erschien. Darum ist es begrüßenswert, daß gerade jetzt auch in Deutschland eine Biographie von ihm vorliegt.

U Thant stammt aus Birma. Er ist 60. Jahre alt, war ursprünglich Lehrer von Beruf, träumte davon, eine eigene Zeitung zu leiten, geriet jedoch statt dessen fast ohne sein Zutun und beinahe gegen seinen Willen in die Politik. Jahre hindurch war er persönlicher Assistent und „Graue Eminenz“ des birmanischen Ministerpräsidenten U Nu. 1957 wurde er Birmas ständiger Vertreter bei den Vereinten Nationen. Und 1961, nach dem Tod Hammarskjölds, wurde er zum Generalsekretär der Vereinten Nationen gewählt. Zum erstenmal wurde ein Asiate der höchste Beamte des Weltparlaments.

Die Verfasserin seiner Biographie beschränkt sich in ihrer Darstellung erfreulicherweise nicht auf seine Person. Fast die Hälfte der Kapitel ihres Buches beschäftigen sich mit der historischen und politischen Entwicklung Birmas und mit dem Buddhismus, der U Thants menschliches Verhalten wie seine politische Einstellung stark bestimmt.

U Thants Heimatland Birma gehört, ähnlich wie Indien, Ceylon und Indonesien, zu den sogenannten „blockfreien Nationen“, jener Gruppe von Staaten, die eine Beteiligung an Militärpakten grundsätzlich ablehnen. Die Haltung dieser Staaten und ihrer Politiker, die heute für den Westen und morgen für den Osten optieren, irritiert viele Menschen, auch in der Bundesrepublik.