Die deutschen Börsen haben ein neues Spekulationsobjekt gefunden: Die Aktien der Deutschen Klinik für Diagnostik AG, die nach dem Vorbild der Mayo-Klinik in den USA in Wiesbaden eine Klinik errichten will. Der Initiator dieses Objektes, Dr. Krutoff, hat sich an die interessierte Öffentlichkeit gewandt und zur Zeichnung der Aktien aufgefordert. Er bietet sie zum Kurs von 100 Prozent zuzüglich 10 Prozent Spesen an. Außerhalb der Börse sollen diese Papiere, die es heute noch gar nicht gibt, angeblich bereits zu Kursen von 145 bis 170 Prozent gehandelt werden. Ist hier mühelos Geld zu verdienen?

Tatsächlich rieten einige Banken ihrer spekulativ eingestellten Kundschaft, Aktien zu zeichnen, und zwar wegen der zu erwartenden Zuteilung auf mehreren Zeichnungsscheinen. Schon heute steht fest, daß die Summe der gezeichneten Aktien das Angebot weit übersteigt. Es gibt Leute, die ihre vorerst nur gezeichneten Aktien zu verkaufen suchen, obwohl sie nicht wissen können, wie viele sie zugeteilt erhalten werden. Ähnliche Dinge hat es bei der Zeichnung der Veba- und Lufthansa-Aktien auch gegeben.

Ungewöhnlich ist, daß die Mayo-Aktien, wie diese Papiere vereinfacht genannt werden, nicht von einem Bankenkonsortium angeboten werden, sondern von einem Privatmann, der seinen Zeichnungsprospekt selbst anfertigte. Zunächst war die zur gewerkschaftseigenen Bank für Gemeinwirtschaft gehörende Investitions- und Handels-Bank AG für die Federführung des Bankenkonsortiums vorgesehen. Doch die IHB wurde mit der Aufstellung eines hieb- und stichfesten Prospektes nicht fertig. Dr. Krutoff, so beklagt man sich bei der IHB, habe bisher keine ausreichenden Unterlagen über die definitiven Baukosten und vor allem über die Rendite geliefert.

Dr. Krutoff selbst ist anderer Ansicht. Für ihn ist die Sache klar. Für Investitionen und Einrichtung der Klinik werden 14,2 Millionen Mark gebraucht, als Betriebsmittel 1,8 Millionen. Diese 16 Millionen sollen wie folgt aufgebracht werden: Gründungskapital 6 Millionen, Kapitalerhöhung nach Eröffnung der Klinik um 1 Million (diese Aktien sollen den dann dort tätigen Ärzten geboten werden), 8 Millionen langfristige Darlehen (verbürgt vom Land Hessen) und Bankkredite von 1 Million. Voraussetzung für die Landesbürgschaft ist eine klare finanzielle Grundlage des Projektes, vor allem die Aufbringung des Eigenkapitals.

Von dem Grundkapital will Dr. Krutoff bereits 42 Prozent oder 2,52 Millionen zusammen haben, so daß über den Kapitalmarkt lediglich 3,48 Millionen zu beschaffen wären, wozu die 10 Prozent Spesen kämen. 35 Prozent des gezeichneten (und zugeteilten) Betrages werden nach Gründung der Aktiengesellschaft fällig, jeweils 25 Prozent nach erfolgter Grundsteinlegung, nach Rohbauabnahme und nach Bekanntgabe des Eröffnungstermins.

Auf dem Zeichnungsschein heißt es ausdrücklich, daß Einzahlungen nur geleistet zu werden brauchen, wenn die Gründung der Aktiengesellschaft unter der Verantwortung einer angesehenen Bank oder eines Bankenkonsortiums erfolgt. Das scheint mir, meine verehrten Leser, eine sehr vage Formulierung zu sein, denn darüber, wer „angesehen“ ist und wer nicht, wird sich lange streiten lassen. Die Aktion hätte ohne Zweifel einen seriöseren Anstrich, wenn von vornherein eine enge Verbindung zwischen der AG-Gründung und den späteren Hausbanken sichergestellt worden wäre.

Zur Rentabilität des Objektes erklärt die Vorläufergesellschaft, die Deutsche Klinik für Diagnostik, gemeinnützige GmbH, Frankfurt/Main: „Auf Grund einer Rentabilitätsberechnung der Deutschen Krankenhausgesellschaft und nach Anhörung anderer Sachkenner wird damit gerechnet, daß nach zwei dividendenfreien Bau- und Anlaufjahren eine Dividende gezahlt werden kann, die im Anfang eine Effektivrendite von 6 Prozent sicherstellt, dies selbst dann, wenn die Kapazität der Klinik am Anfang nur zum Teil ausgenutzt werden sollte.“ Eine spätere Erhöhung der Dividende auf 10 Prozent wird für möglich gehalten.