Die USA erleben einen langen heißen Sommer des Rassenkriegs: Die Trümmer von Newark rauchten noch, als die Automobilstadt Detroit von der „Schwarzen Revolution“ überrollt wurde. Auch in vierzehn anderen amerikanischen Städten flammteen Rassenunruhen auf.

Wie in Newark genügte ein geringfügiger Anlaß: Polizisten versuchten am vorigen Wochenende ein von Farbigen besuchtes Lokal zu räumen. Innerhalb weniger Stunden weiteten sich die Prügeleien zum Bürgerkrieg aus. „Kill Whithey!“ – „Tötet den Weißen!“ das war der Schlachtruf, unter dem der schwarze Mob Brände legte, Geschäfte ausplünderte, Feuerwehrleute und Polizisten mit Steinen und Flaschen bewarf. Dann traten Heckenschützen in Aktion.

Die 6000 Stadtpolizisten waren machtlos. Gouverneur George Romney (Michigan) schickte 4000 Nationalgardisten und forderte in Washington reguläre Truppen an. Präsident Johnson entsandte den früheren stellvertretenden Verteidigungsminister Cyrus Vance als persönlichen Beauftragten nach Detroit.

Auch Vance hielt den Einsatz von Truppen für unvermeidlich. 3200 Fallschirmjäger rückten mit Panzern in die brennende Stadt ein. Weitere 1800 Mann hielten sich in der Nähe von Detroit bereit. Über der Stadt wurde der Luftraum gesperrt, damit Polizisten von Hubschraubern aus die Heckenschützen bekämpfen können. Johnson unterzeichnete eine Proklamation, die das Pentagon ermächtigte, alle notwendigen Schritte zu unternehmen. Die National garde wurde unter Bundesbefehl gestellt.

Der Präsident ermahnte die Bevölkerung über Rundfunk und Fernsehen, „Gesetzlosigkeit in jeder Form zu bekämpfen“.

Nach drei Tagen Bürgerkrieg bot die fünftgrößte Stadt der USA (1,7 Millionen Einwohner) einen Anblick „wie Berlin 1945. oder Warschau nach dem Gettoaufstadt“ (Bürgermeister Cavanagh). Bilanz Mitte dieser Woche: 27 Tote, mehr als 1000 Verletzte, 2300 Verhaftete, über 600 Millionen Mark an Sachschäden.

In Newark tagte unterdessen eine „Black Power“-Konferenz, die von etwa 600 Negerführern aus allen Teilen der Vereinigten Staaten besucht wurde. Auch hier kam es zum Kampf Schwarz gegen Weiß: Junge Farbige sprengten eine Pressekonferenz und vertrieben die weißen Reporter und Kameraleute.