Unser Kritiker sah:

DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG

Lustspiel von William Shakespeare

Heckentheater in Hannover-Herrenhausen

Das Freilichtspiel ist durch die moderne Scheinwerfertechnik sich selbst entfremdet worden. Früher hatte das sommerliche Spiel unter freiem Himmel, auch wenn Berufsschauspieler agierten, immer ein wenig den Charakter von Liebhabervergnügen; das Scheinwerferlicht bewirkte eine Steigerung des Anspruchs.

Zwischen diesen beiden Extremen, wie sie von den nachmittäglichen „Jedermann“-Aufführungen vor dem Salzburger Dom und den Abendvorstellungen in der Hersfelder Stiftsruine repräsentiert werden, suchen die Sommerspiele in Herrenhausen einen Mittelweg. Maßgebend für sie ist die Barockstruktur des „Großen Gartens“.

Für die populären Schaustellungen im geometrischen Gartenparterre – Tanz- und Reiterspiele, historische Kostümschau und Illumination – bedeutet das künstliche Licht aus Scheinwerfer – batterien eine Steigerung der Barockanlage. Empfindlicher reagiert das in den Herrenhauser Garten eingebaute Heckentheater. Die Bühnentiefe, die in barocken Innenraumtheatern durch gemalte Perspektive vorgetäuscht wird, ist hier in natura gegeben: 45 mal 14 Meter Bühne werden von einem Dutzend als Hecken gewachsenen und beschnittenen Büschen begrenzt und von 14 feststehenden, sogar vergoldeten Zierstatuen flankiert. Da gibt es heute nur zwei Möglichkeiten: Man kann diese Kulisse entweder „wegleuchten“ oder in ihr ein museales Barocktheater nachbilden.