Film

Von René Drommert

Als im Kongreß-Palast des Kreml „Der Journalist“ aufgeführt wurde, rühmte die Prawda, daß der Regisseur S. Gerassimow (der zugleich der Drehbuchautor ist) dem Motto des Internationalen Moskauer. Filmfestivals so genau entsprochen habe: „Für Humanismus in der Filmkunst, Friede und Freundschaft unter den Völkern.“

Das Motto ist vortrefflich, aber die Plakatierung der Ideologie belastet den Film schwer, Ein junger Moskauer Journalist kommt in eine Kleinstadt im Ural, und er kehrt, da er sich in ein Mädchen verliebt, später dorthin zurück. Zwischendurch ist er in Genf und Paris, befreundet sich mit einem gleichaltrigen amerikanischen Journalisten, und es gibt Gelegenheiten, zusammen mit verschiedenen Ausländern brave weltanschauliche Sprüche herzusagen. Diese Szenen, in denen der Regisseur selber auch noch als Darsteller fungiert, sind die unbeholfensten des ganzen Films; der Versuch, die Internationalität des Kommunismus von der weltmännischen Seite, her aufzuzäumen, wirkt gestelzt, man vergißt völlig, daß Gerassimow einmal Scholochows „Stillen Don“ respektabel verfilmt hat.

Die Ural-Szenen sind weit besser, das Mädchen Schura ist ergreifend: Keine Schauspielerin des Westens könnte diese schlichte und gefühlsstarke (und gar nicht schöne) Russin so genau charakterisieren wie hier eine bisher unbekannte Schauspielerin: G. Poljskich. Der (schwarz-weiße) Film läuft dreieinhalb Geduld erfordernde Stunden; seine epische Gemächlichkeit könnte man noch hinnehmen – der ideologische Ballast macht es einem schwerer.

In den Fehler, das Politisch-Weltanschauliche unkritisch zu begünstigen, sind eine ganze Reihe von Filmen aus Ostblockstaaten verfallen, so auch der nordvietnamesische Film „Nguyen Van Tschoi“. Er behandelt eine vertretbare Sache mit unvertretbaren künstlerischen Mitteln. Der junge südvietnamesische Widerstandskämpfer, nach dem der Film benannt ist, wird wegen eines geplanten Attentats auf hohe amerikanische Militärs gefoltert und erschossen, hat aber noch Sekunden vor der Exekution die – Kraft, seine heldischen Deklamationen für Vaterland und Kommunismus herauszuschmettern. Durch Idealisierung und politische Überanstrengung ist der Film um seine Glaubwürdigkeit gebracht.

Nicht ganz so dürftig, aber doch recht schwach ist der DEFA-Film „Brot und Rosen“. Er berichtet von einem Heimkehrer, der sich-nach und nach in die sozialistische Gesellschaft eingliedert und ein nützliches, das heißt auch braves Mitglied der SED wird. Wenn das ideologische Gerippe nicht in jedem Filmmeter durchschiene, hätte es eine passable Leistung werden können.