Die Kontroverse um den Wehretat fand mit dem Rücktrittsgesuch Verteidigungsmini- ster Schröders ihren Höhepunkt. Mit Verzögerung und auf Umwegen wurden in Bonn Informationen über Charles de Gaulles Empfehlung zur Anerkennung der Oder-Neiße-Linie durch die Bundesrepublik bekannt. Wegen einer als separatistisch empfundenen Rede de Gaulles bei seinem Besuch in Kanada trat das kanadische Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen. Exbundeskanzler Ludwig Erhard brachte von seiner privaten Amerikareise Informationen über Eintrübungen des amerikanischen Deutschlandbildes mit. Nach fünfwöchigen Beratungen ohne Ergebnis hat die UN-Vollversammlung das Nahost-Problem an den Weltsicherheitsrat zurückverwiesen. Die arabischen Staaten wollen am – 10. August in Khartum/Sudan zu einer Gipfelkonferenz zusammentreffen. In der vereinigten Europa-Kommission erhielten die drei deutschen Vertreter gute Plätze. Norwegen hat ein neues Aufnahmegesuch an die EWG gerichtet. Trotz des jüngsten Erdbebens in der Türkei erfuhr der Besuchsplan des Papstes keine Änderung.

Rumänisches

Nach ihrem Holland-Besuch sprachen sich der rumänische Regierungschef Ion Gheorghe Maurer und Außenminister Corneliu Manescu für direkte Verhandlungen zwischen Israel und den arabischen Staaten aus. Moskau warnte Rumänien vor einer Lockerung seiner Bindungen an die anderen kommunistischen Länder. Zur Verhinderung von Machtmißbrauch wurde in Rumänien die Geheime Staatspolizei auf Anordnung von KP-Chef Nicolae Ceausescu der direkten Parteikontrolle unterstellt. In einer außenpolitischen Grundsatzerklärung hat sich Ceausescu gegen die Vormachtstellung der Großmächte verwahrt.

Asiatisches

In Moskau begann der japanische Außenminister Takeo Miki eine Rundreise durch mehrere Ostblockländer mit der Endstation Bonn. Eine Verstärkung der südvietnamesischen Regierungstruppen um 50 000 Mann kündigte Ministerpräsident Nguyen Cao Ky an. In Peking wurde der Korrespondent der britischen Nachrichtenagentur Reuter unter Hausarrest gestellt. Von den unter geheimnisvollen Umständen aus der Bundesrepublik verschwundenen 17 Südkoreanern kehrten vier zurück. Die Regierung in Seoul hat sich in einer Note an die Bundesregierung für die Tätigkeit ihres Geheimdienstes auf deutschem Boden entschuldigt.

Militärisches

Zum erstenmal wurde die in München erscheinende „Deutsche National-Zeitung und Soldaten-Zeitung“ beschlagnahmt. Nach der SPD beantragte in Bayern auch die CSU in der Schulfrage ein Volksbegehren. Die Staatsanwaltschaft in Köln erhob gegen den Bundeswehr-Todesschützen von Kerpen Anklage wegen fahrlässiger Tötung. Im nigerianischen Bürgerkrieg meldeten beide Seiten Erfolge. Mit verstärkter Intensität griffen die Rassenkrawalle in den USA auf die Automobilstadt Detroit über. Die Bevölkerung von Puerto Rico sprach sich mit großer Mehrheit für den bisherigen Status eines an die USA assoziierten Freistaates aus.