In der chinesischen Zentralprovinz Hupeh trat die Armee zum Kampf gegen die Kulturrevolution an. Gegenspieler des KP-Vorsitzenden Mao Tse-tung ist Chen Tsai-tau, Militärbefehlshaber von Wuhan, der Provinzhauptstadt.

Schon im Juni soll es in Wuhan zu blutigen Straßenkämpfen zwischen Mao-Anhängern und Armee-Einheiten gekommen sein. Am 14. Juli schickte Mao zwei Vertraute in die abtrünnige Region, um den Frieden wiederherzustellen.

„Wenhui Pao“, eine Zeitung in Shanghai, berichtete jedoch, die Emissionäre seien am 20. und 21. Juli in Wuhan von „konservativen“ Elementen „umzingelt, festgehalten, geschlagen und beleidigt“ worden. Erst später tauchten die beiden wieder in Peking auf. Der Widerstand in Wuhan blieb.

So schrieb jüngst die „Rote Fahne“, Organ des chinesischen Zentralkomitees: „Es ist noch nicht lange her, daß ein paar Machthaber in der Gegend von Wuhan den kapitalistischen Weg eingeschlagen und sich gegen die proletarische Revolution verschworen haben.“ Die Zeitung mahnte: Wenn die Partei die Kontrolle über die Armee verlöre, würde die Macht in die Hände der Feinde fallen.

Es war das erste Mal, daß die offizielle chinesische Parteipresse ein derart schweres Propagandageschütz auffuhr und vor einer „Usurpation militärischer Macht“ warnte. Widerspenstige Militärbefehlshaber wurden bislang nur in den Wandzeitungen der Roten Garden kritisiert. Der britische „Guardian“ vermutet denn auch „eine echte Gefahr“, daß Peking in Wuhan „die Macht entgleitet“.

Inzwischen hat Mao Tse-tung Fallschirmjäger in die Rebellenmetropole geschickt. Die Armeezeitung „Jiefangjun Bao“ mußte freilich zugeben, der Kampf gegen die Anti-Maoisten stoße „auf Schwierigkeiten“.