Bundesbankpräsident Blessing hat zwar in der vergangenen Woche vor Göttinger Studenten für den Herbst eine weitere Zinssenkung in Aussicht gestellt (die Börse erwartet zu diesem Zweck eine neue Senkung der Mindestreserven der Banken), aber den Kursen der festverzinslichen Wertpapiere hat diese Prognose wenig genützt. Die Bundesbank mußte einige zehn Millionen aufnehmen, um die Kurse auf dem gegenwärtigen Stand zu halten.

Wodurch ist es zu den Verkäufen gekommen? Offensichtlich haben einige Landesversicherungsanstalten ihren laufenden Finanzbedarf nicht anders decken können – und wenn nicht alles täuscht, werden die Rentenverkäufe von dieser Seite in den nächsten Wochen weitergehen. Von den Banken wird berichtet, daß auch private Anleger, die mutig im vergangenen Jahr festverzinsliche Papiere erworben hatten, sich jetzt von ihnen lösen, weil sie bei den Aktien nunmehr bessere Chancen sehen. Diese Meinung wird es schwer machen, den Sechseinhalbprozenter durch den Sechsprozenter abzulösen.

Blessings Rede war – von der Reaktion am Rentenmarkt abgesehen – gleichwohl ein voller Erfolg. Seine Auffassung, wonach es im Herbst eine spürbare Konjunkturbelebung geben wird, die sich dann langsam fortsetzen soll, löste bei einem großen Teil der Bankenkundschaft ein positives Echo aus. Es schlug sich nicht nur in höheren Aktienumsätzen nieder, sondern führte auch, da niemand mehr zu den bisherigen Kursen verkaufen wollte, zu teilweise beachtlichen Kursgewinnen, ohne daß man bereits von einer gefährlichen Überhitzung sprechen kann. K. W.