Ohne Angaben von Gründen hat Bundesfinanzminister Strauß – eine persönliche Entscheidung – der amerikanischen Werbeagentur J. Walter Thompson (mit dem Sitz in Frankfurt) zum Jahresende Aufträge gekündigt. Sie zog den Beratungsdienst für Anleihen von Bund, Bundesbahn und Bundespost auf und ist für die Werbung dieser Emissionen (Jahresetat zwei Millionen Mark) verantwortlich.

Sachliche Gründe für einen Wechsel der Agentur (denn die Werbung für öffentliche Anleihen soll weitergehen) liegen offensichtlich nicht vor. Die Vertreter der Bundesbank und des Bundesfinanzministeriums haben gern mit den Leuten von Thompson zusammengearbeitet, die sich nach mühseliger Kleinarbeit in dem nicht gerade einfachen Metier inzwischen gut zurechtfanden.

Es ist zu vermuten, daß es sich hier um eine „politische“ Kündigung handelt. Schon lange war es den „deutschen“ Werbeagenturen ein Dorn im Auge, daß gerade die Amerikaner Werbung für deutsche Staatsanleihen trieben. Diesem national len „Anliegen“ scheint Strauß nunmehr sein Ohr geliehen zu haben. Das ist insofern bedauerlich, als einer Agentur gerade in dem Augenblick der Stuhl vor die Tür gesetzt wird, da sich ihre Werbebemühungen auszuzahlen beginnen, während sich die neue Firma erst wieder mühsam einarbeiten muß. Aber „die“ Amerikaner sind nicht ganz unschuldig. Mit ihrer Aktion „Buy American“ forderten sie solche Reaktionen geradezu heraus. Wer die nationale Platte spielt, muß wissen, daß sie auch noch eine zweite Seite hat.

kw