Von Marietta Riederer

Bevor die Haute Couture in Paris ihre neuen Kollektionen zu zeigen begann, war die Schau der Alta Moda in Rom beendet. Über Paris berichten wir ausführlich nach Abschluß der Vorführungen in der nächsten Ausgabe der ZEIT. Zunächst aber sei hier ein Überblick über die große Mode aus Italien gegeben:

Rom

Ob die Röcke nun zehn oder fünfzehn Zentimeter länger werden, ob Mini-, Midi-, Maxi-Längen im Straßenbild nebeneinander herlaufen werden – das ist die Frage! In Rom jedenfalls wurde dieses unbequeme, Verwirrung stiftende Experiment mit allen Konsequenzen demonstriert.

Der Rock bleibt kurz, das Knie wird höchstens halb bedeckt – so bestimmen die einen. Nur der Wadenansatz wird sichtbar. Nein, die Wade gehört halb bedeckt, oder aber der Rocksaum endet zehn Zentimeter über den Fesseln – so diktieren die anderen.

Die Vorsichtigen jedoch zeigen in ihren Kollektionen die neue Kürze und Länge zu gleichen Teilen. Noch hat man nicht gewußt, was Paris bringen würde. Die gefährlichste Kurve mit Glatteisgefahr liegt bei einer totalen Veränderung der Mode, nämlich der Renaissance verflossener Romantik. „Grüße aus St. Petersburg“: Zarinas Stehkragen mit Spitzenjabot zu Troika-Mänteln, Muschiks Kittel und Pluderhosen in Schaftstiefeln sind zwar ebenso dekorativ wie Kaiser Wilhelms Radmäntel und Uniformkragen und boten Anregung für verschiedene erschöpfte Modeschöpfer; aber das alles hat im Grunde nichts mit Alta Moda zu tun.

Verkleidung gehört in die Boutiquen und wird bereits in Carnaby Street vielfältig angeboten. Einflüsse der frühen dreißiger Jahre versprechen da schon mehr Erfolg. Der geschmeidige Schrägschnitt, der lockere Gürtel, selbst die Rocklänge, all das wird heute viel eher akzeptiert werden.