Von Peter Urban

Aus Anthologien und Zeitschriften war Witold Wirpsza, verdienter polnischer Übersetzer aus dem Deutschen, kennenzulernen als ein Erzähler, der sich, bei eigentlich konventioneller Erzähltechnik, in grotesk-satirischen Sphären bewegt.

Sein erstes eigenes Buch in Deutschland –

Witold Wirpsza: „Orangen im Stacheldraht“, aus dem Polnischen von Maria Kurecka; Carl Hanser Verlag, München; 168 S., 19,80 DM

– entwirft allerdings ein seriöses Bild (für den, der Groteske unseriös findet), ein ambitioniertes (für den, der außer dem Experiment nichts gelten läßt).

Es ist Wirpszas Versuch, eine größere Form und dabei ein arg strapaziertes Thema – Menschen hinter Stacheldraht – zu realisieren. Zu diesem Thema hat man allerhand lesen können, und der Schriftsteller, der auf diesem – je nachdem – staubigen, schlammigen oder hartgefrorenen Boden konkurrenzfähig bleiben will, muß schon etwas Besonderes bieten. Diesem Anspruch wird Wirpsza gerecht.

Die „Orangen“-Fabel ist denkbar einfach, fast ein Klischee: ein Kriegsgefangenenlager für polnische Offiziere. Unter den Gefangenen bilden sich zwei Gruppen, die sich gegenseitig bespitzeln und denunzieren – die eine baut einen Tunnel, die andere eine Uhr. Der Fluchtversuch der ersteren wird selbstverständlich entdeckt, die Schüsse der deutschen Bewacher treffen sowohl die negativen Flüchtlinge als auch die Uhr der positiven „Zeitlinge“ – nur die Bespitzelei geht weiter.