Hautzellen eines Kaninchens, die zwei Wochen lang im Reagenzglas kultiviert wurden, bildeten nach der Rückverpflanzung auf das Versuchstier neues Hautgewebe. Erst nach fünf Wochen ging das Transplantat zugrunde. Über diesen ersten geglückten Versuch, künstlich kultiviertes Gewebe wieder im Körper anzusiedeln, berichtete der Biochemiker, Professor Marvin Karasek (Stanford-Universität, Kalifornien), am Montag auf dem 13. Internationalen Dermatologen-Kongreß in München. Mit seinen Arbeiten will Karasek die komplizierten biochemischen Reaktionen erforschen, die bei Hautkrankheiten zu unkontrollierten Zellwucherungen führen. Die von ihm rückverpflanzten Hautzellen verhielten sich allerdings zunächst recht ordentlich. Sie vermehrten sich und hatten nach einer Woche die ganze Wunde mit einer Gewebsschicht von drei Zellen Stärke bedeckt. Nach zwei Wochen bildeten sie eine fünf bis zehn Zellen dicke Epidermis (oberste Hautschicht). Karasek beobachtete sogar Ansätze zur Verhornung, wie sie für die Außenzellen der normalen Haut charakteristisch ist. Drei Wochen nach der Verpflanzung jedoch vermehrten sich die neuen Zellen ungeregelt, und nach fünf Wochen degenerierten sie und wurden abgestoßen.

Diese Befunde widersprechen der bisher vertretenen Ansicht der Wissenschaftler, daß künstlich kultivierte Hautzellen erwachsener Tiere überhaupt kein spezifisches Gewebe mehr bilden können. Dem Stanforder Biochemiker ist es rätselhaft, warum sein Hauttransplantat nicht länger heilt. Vielleicht ist eine unbekannte Immunreaktion im Spiel, so vermutet er; möglicherweise sei die Ursache im Nährmedium der Zellkultur zu suchen. Karasek zählt die Erforschung des Verhaltens solcher rücküberpflanzter Zellkulturen zu den erregendsten und wichtigsten Gebieten der Zellbiologie. Peter Roese