Der letzte Träger des Namens Krupp ist tot. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach ist es nicht mehr vergönnt gewesen, die Umwandlung des Familienunternehmens in eine Stiftung selbst zu vollziehen. Zur Stunde ist nicht bekannt, welche Verfügungen der Alleininhaber im einzelnen getroffen hat, in Essen will man vor dem Ende der Trauerfeiern keine Erklärungen zu den rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen abgeben. Man kann aber wohl davon ausgehen, daß Berthold Beitz und die anderen Testamentsvollstrecker die notwendigen Vollmachten haben, um eine Stiftung zu gründen.

Die grundsätzliche Entscheidung, die Firma in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln und sein Vermögen in eine Stiftung einzubringen, hatte Alfried Krupp nach jahrelangen Überlegungen im Frühjahr getroffen. Die akuten Finanzierungsprobleme jener Wochen waren Anlaß, nicht Ursache des Entschlusses. Er war die Konsequenz aus der Erkenntnis, daß ein Unternehmen dieser Größenordnung nicht mehr als Familienbetrieb geführt werden kann.

Die Neuorganisation des Hauses, Krupp muß sich in drei Phasen vollziehen:

1. Umwandlung der Firma in eine Kapitalgesellschaft, wohl eine GmbH. Der Beschluß dazu ist bereits getroffen, er ist Bestandteil des Bürgschaftsabkommens, das Krupp mit dem Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen getroffen hat. Der erste Schritt zur Umwandlung war die Berufung des Verwaltungsrates, dem die Bankiers Abs und Krüger angehören.

2. Gründung einer Krupp-Stiftung. Alfried Krupp war nach dem Verzicht seines Sohnes Arndt von Bohlen im vergangenen Jahr endgültig entschlossen, sein Industrievermögen in eine Stiftung zur Unterstützung von Lehre und Forschung einzubringen. Die Stiftung wäre dann Inhaber der Fried. Krupp GmbH geworden, während Alfried Krupp im wesentlichen nur den Besitz aus seiner privaten Sphäre behalten hätte.

3. Rationalisierung des Unternehmens. Das Eigenkapital der Firma Krupp (also praktisch das Privatvermögen Alfried Krupps) stammt völlig aus der Selbstfinanzierung des Unternehmens – und entsprechend der schon seit Jahren ungünstigen Entwicklung im Montanbereich hat sich das Bilanzbild ständig verschlechtert. Die Umwandlung des Unternehmens in eine Kapitalgesellschaft vermag die Schuldenlast nicht zu verringern, sie bringt keine Zufuhr von Kapital (es sei denn, die Stiftung verzichtet auf den Alleinbesitz und nimmt Teilhaber in die Fried. Krupp GmbH auf, was Alfried Krupp zu vermeiden trachtete). Die Rationalisierung – im Klartext: Stillegung unrentabler Betriebe und Ausbau chancenreicher Produktionszweige – ist Aufgabe des designierten Generaldirektors Günter Vogelsang.

Die entscheidende Frage in den nächsten Monaten wird sein, ob das Haus Krupp ungeteilt erhalten werden kann. Noch ist nicht geklärt, ob die steuerliche Belastung vermieden werden kann, die durch die Auflösung stiller Reserven bei der Umwandlung der Einzelfirmen in eine Kapitalgesellschaft entsteht. Und geklärt ist auch nicht, ob die „innere Rationalisierung“ ausreichen kann, das Unternehmen wieder rentabel zu machen. Vielleicht wird man sich unter dem Zwang der Verhältnisse entschließen müssen, ganze Produktionsbereiche zu verkaufen – oder doch Teilhaber aufzunehmen, um die Bilanzstruktur zu verbessern. So oder so: Es ist eine besondere Verantwortung, die die Männer zu tragen haben, die nun das Erbe der Krupps verwalten werden. Diether Stolze