Mittwoch, 26. Juli, 20.15 Uhr, 1. Programm: „Der Polizeistaatsbesuch“ von Roman Brodmann

Ich war nicht überrascht, als er mich anrief, im Gegenteil, ich konnte ihn sehr gut verstehen, den Mann, dessen Intelligenz und Akribie, dessen Scharfsinn und Witz ich vertraue. Es erschien mir plausibel, daß er sich meldete, um mit mir über eine Sendung zu sprechen, die ihm so vortrefflich erschien wie mir und all den Tausenden, die sich auch angerufen haben mögen – an diesem Abend, als die ARD Roman Brodmanns Film über den Polizeistaatsbesuch präsentierte, an diesem Abend, da der Schah sich nach dem Stand der Untersuchung gewisser Unbotmäßigkeiten zu erkunden geruhte.

Mit einer Werbung für die Firma Apfelstedt Hornung beginnend (das ist die Firma, die den Staatsbesuch mit Flaggen verschönt) und schließend mit einem Ministerpräsidenten-Zitat, gleiche Situation unserer beiden Länder, Schleswig-Holstein und der Iran, gewaltige Anstrengungen, moderne Wirtschafts- und Sozialordnung, erteilte der Verfasser dieser Dokumentation, die ich mir pointierter, witziger und überzeugender nicht vorstellen kann, eine Kollegstunde lang staatsbürgerlichen Unterricht von höchstem Rang. Die Kommentare waren sparsam, die Aktionen sprachen für sich; zwischen Bild und Wort bestand ein dialektisches Spannungsverhältnis: Es wurde nicht beredet, was man sah, sondern verständige Hilfe gegeben.

Hintergründiges gewann Anschaulichkeit, Vordergründiges, die Chefin von Rothenburgs „Eisenhut“ probt mit ihren Mädchen den Hofknicks, hatte den Zuschauern auch die weniger schöne Seite zu zeigen: Der Schah, sagte der Sprecher, ist der prominenteste Gast dieser Dame, seitdem sie für Hitler einen Apfel schälen durfte. Sah man altdeutsche Fenster, dann hieß es: Rothenburgs Bürger waren angehalten, ihre Fenster geschlossen zu halten; kamen Hecken ins Bild, dann medisierte der Autor: Man stutzte sie – aus Gründen der Ästhetik und der Sicherheit.

Der Empfang auf dem Flughafen wurde im Stil eines Puppentanzes wiedergegeben: Es brüllte ein Nußknackermann, Honoratioren trippelten über das Rollfeld und riefen vergnügt „Guten Morgen, Soldaten“, plötzlich, es paßte gar nicht, paßte so wenig wie dieses ganze böse Theaterspiel mit wartenden Ärzten, nach Bomben abgesuchten Violoncelli und tieftiefem Dienern befrackter Notabeln, plötzlich sagte eine trockene Stimme: Die Presse meldet, der Schah trägt eine Panzerweste.

Nun, das alles, Rothenburger Schäfertanz (Huld und Gnad, gereimt auf Vaterstadt, Schäferstand auf deutsches Land), Ritterspiel und Defilee in Bonn, war nur Vorspiel für jenen Hauptakt, den Brodmann auf zwei Ebenen darstellen ließ: Adlons Chefkoch zerteilte den Hammel, präparierte, die Marinade und sagte zu sich nehmen statt essen, die Studenten hingegen gedachten der gefolterten Perser und verteilten Tüten mit einer Pahlevi-Karikatur.

Was darauf folgte, ist bekannt – aber es war gut, daß man die stockschlagenden Jubelperser und die knüppelnden Polizisten auch einmal in Großaufnahme sah. Schließlich nimmt es sich doch anders aus, wenn gutmütige Schauspieler SS-Männer spielen, und anders, wenn Professionals sich zu Greifkommandos formieren.