Sehr sehenswert:

„Masculin – féminin“, von Jean-Luc Godard. Fünf junge Leute in Paris, Herbst 1965 bis Frühjahr 1966. Godard testet Verhaltensweisen und probiert Testmethoden aus. Ein Essay über das zweckmäßige Filmemachen und über den Realitätscharakter von Vorstellungen, über Sprachschwierigkeiten und Schwierigkeiten des Denkens. Der Film kritisiert die Wirklichkeit, und durch den Film kritisiert die Wirklichkeit den Film.

„Tätowierung“, von Johannes Schaaf. Ein älteres Paar (Pflegeeltern) und ein ganz junges (Pflegesohn und Nichte): der Blick auf das Vergnügen der anderen beflügelt das eigene. Ein Film über Voyeurismus – im Verkehr der Geschlechter, im Verhältnis zur Politik (der Blick über die Mauer), im Kino. Die Situation des Kinobesuchers macht sich der Film mit zum Thema. Schaafs Film aktiviert die Voyeurperspektive, macht sie sich zur eigenen (nicht heimlich, sondern explizit), formuliert die Verantwortung des Voyeurs.

Sehenswert:

„Das Insektenweib“, von Shohei Imamura. Soweit es sich trotz Kürzungen und Synchronisation ausmachen läßt: ein Film im Geiste Bertolt Brechts. Der Originaltitel bedeutet etwa: „Japanische Insektenkunde.“ Ein Stück japanischer Geschichte im Spiegel eines Frauenlebens, für das der Fall Singapurs nur eine Radiomeldung ist, aber ein neues Gesetz über Prostitution vitale Bedeutung erlangt.

„Champagner-Mörder“, von Claude Chabrol. Ein Mann wird dazu gebracht, sich selbst für einen mehrfachen Mörder zu halten – ein Sujet für Alfred Hitchcock, über den Chabrol einmal ein Buch geschrieben hat. Der Schüler ist aber kein blasser Epigone: die hitchcocksche Identitätsthematik macht er zum Gegenstand einer Farce; der seiner selbst nicht sichere Playboy figuriert als Spottgestalt neben Strichjungen, Bischöfen, Dirnen und Generälen in einem bürgerlichen Panoptikum.

Ferner läuft: