Gut zureden hilft manchmal – wenigstens bei Minister Schiller. Er will die Medizin der Zinssubventionen zur Anregung des Wohnungsbaus und damit der Konjunktur nur noch in halber Dosis verabreichen. Mit den 300 Millionen Mark, die er ursprünglich im zweiten Investitionsprogramm für diesen Zweck einsetzte, hätte er ein Kreditvolumen von 6 bis 10 Milliarden Markt locker gemacht. Der Baumarkt könnte dadurch bald wieder in den Zustand der Überhitzung geraten, den leidtragende Bauherren und Mieter jahrelang mit Recht so laut beklagt haben.

Noch gefährlicher würden die Wirkungen massiver Zinssubventionen auf die allgemeine konjunkturelle Entwicklung sein. Damit Pfandbriefanstalten und andere Hypothekengeber dem Ansturm gewachsen sind, müßten sie in entsprechendem Umfang Pfandbriefe und andere Rentenpapiere am Kapitalmarkt auflegen. Solche Milliardenbeträge ließen sich nur zu attraktivem, das heißt zu höherem Rentenzins unterbringen. Mitten in der Konjunkturflaute ginge also der Kapitalmarktzins nach oben.

In der Bundesrepublik ist die Zinssubvention schon seit langem wegen ihres allzu großen Ausmaßes zu einem Übel geworden. In großem Umfang wird Kapital durch Zinsverbilligung dorthin gelenkt, wo es volkswirtschaftlich durchaus nicht immer am nützlichsten angelegt wird. Der Zins, der Preis für Kredite, verliert so seine Auslesefunktion. Außerdem treibt jede Zinssubvention den allgemeinen Kapitalmarktzins nach oben, weil das zinsbegünstigte Kapital für den Ausgleich von Nachfrage und Angebot am Kapitalmarkt nicht mehr zur Verfügung steht. Bundesbankpräsident Blessing kann sich für die Zinssubvention nicht erwärmen. Wir können es auch nicht. Schiller sollte auf neue Zinssubventionen ganz verzichten. ks