DIE ZEIT

Abschied vom Gaullismus

Charles de Gaulles Reise in die Unwirklichkeit ist eine Reise ohne Umkehr. Für alle, die sich in der nüchternen Realität einzurichten gedenken, wird es unumgänglich, eine Politik für morgen zu konzipieren – ohne dabei auf de Gaulle Bedacht zu nehmen.

Ausflug in Neuland

Unter den mißtrauischen Blicken der osteuropäischen Kommunisten, zumal der sowjetischen, ist Bundesaußenminister Brandt nach Rumänien gereist.

Mißbrauchtes Gastrecht

Es ist uns in den letzten Wochen einiges zugemutet worden. Unbehelligt trieben koreanische Agenten in Deutschland ihr Handwerk und kidnappten ein gutes Dutzend ihrer Landsleute.

Das Gespenst vom Gauleiter

Dem Donnerschlag der Reden, die de Gaulle in Montreal gehalten hatte, war in Frankreich ein tiefes Unbehagen gefolgt. Würden die Erklärungen, die der Staatschef am Montag im Ministerrat abgeben wollte, geeignet sein, die empörten oder, enttäuschten oder zweiflerischen Gemüter zu beruhigen? Nein, offensichtlich hat die Erregung eher neue Nahrung gefunden, die Sorge sich vertieft.

ZEITSPIEGEL

Die Tschechoslowakei will eine „fortschrittliche“ Maßnahme rückgängig machen, die nach der kommunistischen Machtübernahme 1948 eingeführt worden war: Die Altersgrenze für die Volljährigkeit soll von 18 wieder auf 21 Jahre heraufgesetzt werden.

Muß Washington brennen?

Als die vom Rassenaufruhr in Newark und in Detroit entfachten Flammen den Nachthimmel röteten, befand sich Stokely Carmichael auf einer Reise nach London, Prag und Havanna.

Richter, Lehrer und Väter

Die Politisierung der Studentenschaft mit den Augen eines Juristen gesehen, und nicht irgendeines, sondern des bedeutendsten deutschen Staatsrechtlers unserer Tage: so hätte man sich Theodor Eschenburgs Stellungnahme (ZEIT Nr.

"Sie ist mir losgegangen"

Angeklagt: Kriminalobermeister Kurras – Die Staatsanwaltschaft wirft ihm den Tod Benno Ohnesorgs vor

Wolfgang Ebert:: Schöne Pleiten

Ob man das beklagen oder begrüßen mag – bald wird es wahrscheinlich keine Kriege mehr geben! Wie so vieles andere sind sie, von relativ preisgünstigen Blitzfeldzügen abgesehen, einfach zu teuer geworden.

„Gott schütze Bayern!”

Vier Männer trafen sich um 17 Uhr am Wirtshaustisch des Münchener Vorstadthotels Raab in der Ismaninger Straße, die geradewegs in die Gegend führt, wo Bayerns schönste Krautköpfe wachsen.

Miki in Bonn

Das lange Gespräch zwischen Bundesaußenminister Brandt und seinem japanischen Kollegen Miki hatte keinen dringlichen politischen Anlaß.

Bruderkuß am Bosporus

Es war ein Ereignis, beispiellos in der Kirchengeschichte der letzten Jahrhunderte: Der Heilige Vater kehrte an jenen Ort zurück, wo vor mehr als 900 Jahren die Trennung zwischen Katholiken und Orthodoxen durch Bannflüche besiegelt wurde, um mit dem Patriarchen von Istanbul den Bruderkuß zu tauschen.

Letzter einer Dynastie

Nun hat Alfried Krupp von Bohlen und Halbach den letzten Atemzug getan und diese Erde verlassen, die von Jugend an all das vor ihm ausbreitete, was andere im Laufe ihres Lebens zu erjagen trachten: Reichtum, Macht, Unabhängigkeit.

Vor dem Kiesinger-Besuch:: Kein Alibi für Washington

Wieder einmal wird ein Kanzlerbesuch in Washington vorbereitet. In den Kanzleien sind die Referenten dabei, das Gerüst der Tagesordnung zu zimmern, an dem sich die Gespräche Bundeskanzler Kiesingers mit Präsident Johnson hochranken sollen.

Kiesingers Urlaubs-Bürde

Zu den Sorgen, die der Bundeskanzler in seinem kurzen Urlaub nach Bebenhausen mitnahm, stellte sich kurz vor seiner Abreise eine weitere Befürchtung ein: In Bonn tauchen Zweifel auf, ob sich die Bundesländer an dem zweiten Konjunkturförderungsprogramm in der erwarteten Höhe von zwei Milliarden DM beteiligen werden.

Ein Ärgernis

Das Buch will, laut Vorwort, „der Jugend helfen, mündige Staatsbürger zu werden“. Dazu gehört, wie der Verfasser betont, Information und eine demokratische Haltung, die sich in Achtung vor der Meinung anderer, in Mitverantwortung und „aufbauender Kritik“ äußert.

Das Weimarer Verhängnis

Jürgen Schmädeke: Militärische Kommandogewalt und parlamentarische Demokratie. Zum Problem der Verantwortlichkeit des Reichswehrministers in der Weimarer Republik.

De Gaulle blieb unbeirrt

Nach der längsten Ministerratssitzung, die Frankreich je erlebte, ließ der Präsident verkünden: Er habe mit seinen Reden den Franko-Kanadiern „helfen wollen, sich selbst zu befreien“.

Aden-Experiment mißglückt

Der erste Versuch, in der Südarabischen Föderation eine Regierung auf breiterer Basis zu bilden, die das Staatswesen am 9. Januar nächsten Jahres zur Unabhängigkeit führen könnte, endete mit einem Fehlschlag: Husain Ali Bayoomi, Informationsminister im südarabischen Kabinett und designierter Ministerpräsident der geplanten Übergangsregierung, weigerte sich zunächst, seinen Auftrag zurückzugeben.

Namen der Woche

Duk Shin Choi, 53 Jahre, Botschafter Südkoreas in Bonn, der nach dem Verschwinden von 17 Landsleuten aus der Bundesrepublik in Seoul um seine Abberufung gebeten hatte, wird voraussichtlich Mitte August in seine Heimat zurückkehren.

Anti-Mao-Revolte in Wuhan

In der chinesischen Zentralprovinz Hupeh trat die Armee zum Kampf gegen die Kulturrevolution an. Gegenspieler des KP-Vorsitzenden Mao Tse-tung ist Chen Tsai-tau, Militärbefehlshaber von Wuhan, der Provinzhauptstadt.

Widerstand gegen Israel

Erster Widerstand gegen die „Fremdherrschaft“ zeigte sich in den von Israel besetzten arabischen Gebieten. Vier prominente Jordanier wurden in der Altstadt von Jerusalem wegen aufwieglerischer Reden festgenommen und unter Hausarrest gestellt – darunter der jordanische Gouverneur von Jerusalem, Anwar Khatib.

Von ZEIT zu ZEIT

Bei einer Explosion auf dem im Golf von Tongking vor der nordvietnamesischen Küste operierenden amerikanischen Flugzeugträger „Forrestal“ fanden 78 Besatzungsmitglieder den Tod.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Johannes Brahms: „Sinfonien Nr. 1 c-moll, Nr. 2 D-dur (+ Tragische Ouvertüre), Nr. 3 F-dur (+ Akademische Festouvertüre), Nr.

Ist die Gewerkschaft der Ausweg?

Die theoretische Diskussion über die Grundlagen unserer Ordnung und über das Verhältnis der hochentwickelten kapitalistischen Länder zu den sozialistischen und Entwicklungsländern ist in den vergangenen Wochen mit wachsender Intensität geführt worden – wiederum fast ausschließlich unter Studenten, zumal denen der Berliner FU.

Günter Grass:: Genau hingucken

Im Herbst des Jahres 1952 sah ich in Düsseldorf eine Ausstellung Kleinplastiken des Bildhauers Karl Hartung: ruhige, zumeist liegende Formen, weibliche oder vegetative, die auf jeden Oberflächenreiz verzichteten; bis auf das endliche Maß geschliffen, beanspruchten sie Raum, zwangen sie den Beschauer zur Unruhe, boten sie rundum Ansicht.

ZEITMOSAIK

Die Legende soll sich nicht verfestigen. In einer Kurzbesprechung von Johannes Bobrowskis nachgelassenem Roman „Litauische Claviere“ deuteten wir in der letzten Woche an, was seinerzeit in den Zeitungen berichtet worden war: daß Bobrowski im September 1965 möglicherweise nicht hätte sterben müssen, wenn es seinen Freunden aus dem Westen gelungen wäre, ihm rechtzeitig westliche Medikamente ins Krankenhaus zu bringen.

James Baldwin:: Die weiße Anmaßung

Der amerikanische Negerschriftsteller James Baldwin, bei uns vor allem durch seine Romane („Eine andere Welt“, „Giovannis Zimmer“, „Gehe hin und verkünde es vom Berge“) bekannt, nannte den härtesten seiner Essays zum Rassenkonflikt in den Vereinigten Staaten „The Fire Next Time“ – das nächste Mal Feuer.

Fernsehen: Ein Meisterstück

Ich war nicht überrascht, als er mich anrief, im Gegenteil, ich konnte ihn sehr gut verstehen, den Mann, dessen Intelligenz und Akribie, dessen Scharfsinn und Witz ich vertraue.

Die Reise nach Westberlin

Trotz aller Beschädigungen lebt in Berlin eine freie Gesellschaft. Sie versucht es zu bleiben. Eine neue Generation reagierte hart auf die Erstarrungen der Alten.

Kunstkalender

Diese englische Plastik tritt heute bereits als Schule und schulbildend auf, also vier Jahre nach Plastiken wie Phillip Kings „Genghis Kan“ (in Düsseldorf ausgestellt), zwei Jahre nach dem gemeinsamen Auftreten in der Londoner Whitechapel Gallery (April 1965) und auf der IV.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT (auf doppeltem Buchseitenformat) die sechs Blätter des Hogarthschen Kupferstichzyklus „Marriage à la Mode“ (1745) samt den in der Tat ausführlichen Erklärungen Lichtenbergs, die man eher eine Prosaversion Hogarths als einen Kommentar zu ihm nennen möchte.

Die Stacheldrahtfrüchte

Aus Anthologien und Zeitschriften war Witold Wirpsza, verdienter polnischer Übersetzer aus dem Deutschen, kennenzulernen als ein Erzähler, der sich, bei eigentlich konventioneller Erzähltechnik, in grotesk-satirischen Sphären bewegt.

Der einmalige Schimpfkanonier

Es ist heute in Deutschland eine Ehre, als „unbequem“ charakterisiert zu werden. Aber, so eindeutig die Abwertung ist: jemand bequeme sich allen und allem an – der Unbequeme kann schwierig sein, weil er den üblichen Trott nicht mitmacht, aber auch weil er schlicht ein Querulant ist.

Unser Seller-Teller

Unter den Angaben der Buchhändler, denen wir unseren monatlichen Seller-Teller verdanken, ist diesmal eine, die kein einziges Buch unserer Liste enthält – und keins, das auf unserer Liste erscheinen würde, auch wenn sie doppelt so lang wäre.

FILMTIPS

„Masculin – féminin“, von Jean-Luc Godard. Fünf junge Leute in Paris, Herbst 1965 bis Frühjahr 1966. Godard testet Verhaltensweisen und probiert Testmethoden aus.

Salzburger Juwel des Schauspiels

Hugo von Hofmannsthal dürfte bei seinen programmatischen Entwürfen für Salzburg kaum daran gedacht haben, daß just ein „Lustspiel“ aus seiner Feder zu Festspielehren kommen würde.

Warten auf Steinberg

Im Jahr des Herrn 1962 verwirklichten einige phantasiebegabte Leute des belgischen Kurorts Heist eine bemerkenswerte Idee. Sie veranstalteten eine Karikaturausstellung und stellten den Erlös dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, kurz UNICEF genannt, zur Verfügung.

Finger weg

Gut zureden hilft manchmal – wenigstens bei Minister Schiller. Er will die Medizin der Zinssubventionen zur Anregung des Wohnungsbaus und damit der Konjunktur nur noch in halber Dosis verabreichen.

Solidarität

Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, daß die Beförderungen von Beamten nicht immer und unbedingt Ausdruck auch für höhere Leistungen sind, dann wurde er in diesen Tagen geliefert.

Der Airbus

Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und der Bundesrepublik einigten sich auf die Entwicklung eines Mittelstreckenflugzeugs mit 250 bis 300 Sitzen.

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