Wenn ein feiner Mann ein fremdes Auto beim Parkversuch anbumst, klemmt er dem anderen einen Zettel mit Namen und Telephonnummer hinter den Scheibenwischer. Wenn er nicht so fein ist, fährt er eilig und möglichst unerkannt davon. Das ist schlichte Unfallflucht. Wenn er aber das Gegenteil von fein ist, unternimmt er einige möglichst sinnlose Versuche zur Unfallaufklärung und fährt dann erst davon. Dann ist die Unfallflucht nämlich keine Unfallflucht mehr. Dies räumte das Oberlandesgericht in Hamburg einem Oberpostsekretär ein.

Das Gegenteil von fein war geschehen: Der Oberpostsekretär hatte für etwa 270 Mark ein fremdes Auto angebumst. Seiner Verpflichtung hatte er eindrucksvoll genügt, indem er sich bei seinen Mitfahrer und zu allem Überfluß noch bei zwei des Wegs kommenden Fremden durchaus interessiert erkundigte, wer wohl der Besitzer des fremden Autos sei. Überraschenderweise wußte es keiner zu sagen. Da lenkte der Oberpostsekretär sein Auto leichten Gewissens vom Unfallort fort und vergaß den Fall.

Er wurde dennoch erkannt und angezeigt. Es kam zur Verhandlung. Die Hamburger Richter sprachen ihn vom Vorwurf der Unfallflucht frei, denn es war ihm ja, eigenen Behauptungen zufolge, nicht gelungen, einen Menschen für diesen 270-Mark-Bumser zu interessieren. Und die Richter sahen ein, daß man es dem Oberpostsekretär nicht hätte zumuten können, alle möglichen Leute darauf anzusprechen, daß er ein fremdes Auto angbumst hatte. Möglicherweise sei der Oberpostsekretär tatsächlich berechtigt gewesen, die Unfallstelle zu verlassen.

Denn es gibt kein Gesetz, daß den Oberpostsekretär verpflichtet, an der Unfallaufklärung aktiv mitzuwirken – zum Beispiel: einen Zettel hinter den Scheibenwischer zu klemmen. Und auf Feinheit ist kein Verlaß. W B