Über die Frage, ob es sinnvoller ist, große Reisen mit dem Auto am Abend oder am frühen Morgen anzutreten, streiten sich die Mediziner. Ein Ärzteteam in den USA hält das Autofahren in der Dunkelheit für doppelt so gefährlich wie am Tag. Tatsächlich ereignen sich in den USA nachts proportional zweieinhalbmal mehr Unfälle auf den Straßen als bei Tageslicht.

Grundsätzlich anderer Ansicht ist Professor Donat, Oberarzt des Hamburger Universitätskrankenhauses. Durch verkehrsmedizinische Untersuchungen und Messungen will er festgestellt haben, daß Nachtfahrten den Autofahrer weniger belasten als das Fahren am Tag.

Nachdem nun auch noch das Straßenverkehrsgewerbe in der Bundesrepublik dafür plädiert hat, nachts Autobahnen und Fernstraßen weitgehend den Kapitänen der Landstraße zu überlassen und den Pkw-Fahrern empfiehlt, lieber am Morgen in ausgeruhtem Zustand loszufahren, fragt sich der motorisierte Normalverbraucher mit Recht, welche der gegensätzlichen Empfehlungen er glauben soll.

Zweifellos wird ein routinierter Fahrer in den Nachtstunden besser vorankommen und unter Umständen auch physisch nicht so sehr beansprucht wie am Tage auf einer überfüllten Autobahn oder Bundesstraße. Dabei spielen aber Kondition und Witterungsverhältnisse eine ausschlaggebende Rolle. Vor nächtlichen Gewaltaktionen sollte sich auch der geübte Fahrer hüten. Auch er sollte nicht unmittelbar nach Büroschluß, sondern erst nach einer Ruhepause seine Reise antreten.

Aber häufig werden die Sichtverhältnisse bei Dunkelheit falsch eingeschätzt. Aus einem Kilometer Sicht bei Tageshelle werden in der Dunkelheit, je nach Witterungsverhältnissen, oft nur 100 bis 150 Meter. Viele Autofahrer merken erst nach einem Unfall, daß der Besuch beim Augenarzt fällig war.

Am besten beraten ist wohl der Autofahrer, der sich seine Tagesrouten vernünftig einteilt und schon im voraus weiß, wo er am Abend bleibt. rpk