R. S., Bonn, im August

Das lange Gespräch zwischen Bundesaußenminister Brandt und seinem japanischen Kollegen Miki hatte keinen dringlichen politischen Anlaß. Es war eine gegenseitige, nicht auf eine bestimmte Aktion gerichtete Information, zu der eine Konferenz der japanischen Botschafter in Europa unter Mikis Vorsitz in Köln die beiderseits gern wahrgenommene Gelegenheit bot. Man sprach auch über den Atomsperrvertrag, aber erstand nicht im Mittelpunkt des Gesprächs, da das Thema zur Zeit nicht akut ist.

Die japanische Außenpolitik hat sich in den beiden letzten Jahren aus langer Erstarrung gelöst. Sie versucht neue Beziehungen zur Sowjetunion anzuknüpfen, deren konkretes ökonomisches Ziel gemeinsame Wirtschaftsvorhaben in Sibirien sind. Dabei mag das gespannte Verhältnis zwischen Moskau und Peking den Annäherungsimpuls verstärkt haben. Und da Außenminister Miki gerade aus Moskau und einigen Ostblockstaaten kam (Polen, Tschechoslowakei und Ungarn), konnte er Brandt seine unmittelbaren Eindrücke von den Begegnungen dort schildern. Auch über die Bemühungen Tokios um eine wirtschaftliche Kooperation im pazifischen Raum, die Bonn mit großem Interesse beobachtet, informierte Miki den Bundesaußenminister.

Andererseits konnte Brandt seinem japanischen Kollegen manche für ihn interessante Darstellung über Vorgänge in der europäischen Politik geben. Das deutsch-japanische Verhältnis hat sich seit langem in einer konstruktiven Zusammenarbeit gefestigt und bewährt. Man legt in Bonn auf seine Pflege ebenso großen Wert wie umgekehrt in Tokio.