Von Wolfgang Hoffmann

Bonn

Oberst Johannes Gerber aus dem Bundes-Verteidigungsministerium erklärte sich mit der akademischen Jugend Westdeutschlands solidarisch: "Die Unruhen unter den deutschen Studenten über veraltete Universitätsverfassungen und Professoren-Willkür sind berechtigt. Ich kann gar nicht verstehen, daß die Politiker nur immer auf den Studenten und nicht auf den Professoren herumhacken."

Den Grund für dieses harte Urteil über deutsche Hochschulpraktiken lieferte dem 47jährigen Experten für psychologische Kampfführung die Wirtschaftshochschule Mannheim: Die Hochschule verweigerte dem Generalstabsoffizier seinen hart erkämpften Doktorhut.

Vor fünf Jahren hatte der Offizier, der als gelernter Diplom-Kaufmann in den Generalstab des Verteidigungsministeriums aufstieg, seine Doktorarbeit über die "Betriebswirtschaftlichen Grundlagen für die Führung von Streitkräften" an der Mannheimer Schule abgeliefert. Gerbers Doktorvater, der international anerkannte Professor Walter le Coutre, fand diese erste "Betriebslehre für Streitkräfte" so hoch aktuell und modern, daß er ihr die Note "cum laude" erteilte. Der Offizier hatte das Truppenmanagement nach streng ökonomischen Kriterien untersucht und war zu dem für Haushaltsexperten wichtigen Ergebnis "mehr Sicherheit für weniger Geld" gekommen.

Mit der guten Bewertung der Doktorarbeit war le Coutres jüngerer Kollege Professor Gert von Kortzfleisch jedoch nicht einverstanden. Kortzfleisch war als Ko-Referent bestellt worden, um die Offiziersarbeit mit zu begutachten. Zunächst war der Professor hochgestimmt und erteilte die Note "rite". Damit wurde Gerber zur mündlichen Prüfung zugelassen, die er schließlich mit "gut" bestand. Gerbers Doktor-Weg schien damit geebnet. Der Rektor teilte dem Doktoranden Gerber lediglich mit, er möge sich noch über einige kleine Änderungen der Arbeit mit dem Ko-Referenten Kortzfleisch in Verbindung setzen. Doch Kortzfleisch verlangte von dem Soldaten plötzlich, die Arbeit entsprechend seiner im Ko-Referat enthaltenen Kritik zu ändern.

Gerber stutzte. Da Kortzfleisch die Arbeit mit "rite" bewertet hatte, könne er die Arbeit ja kaum im Sinne der globalen Kritik des Ko-Rererenten verbessern. Der Grund: eine solche Änderung würde zwangsläufig zu einer qualitativ besseren Gesamtnote führen –, das aber widerspreche den akademischen Prüfungsregeln. Somit könne er nur die handschriftlichen Randbemerkungen des Professors berücksichtigen. Diese aber würden weitgehend stilistische Ergänzungen betreffen. So schrieb Gerber dem Gutachter Kortzfleisch und machte sich an die Arbeit.