Zu einer Mitternachtsparty mit Kerzen lud der in Mailand lebende Amerikaner Ken Scott ins Casino Valadier am Pincio. Anlaß: die dritte Kollektion mit Ken-Scott-Drucken auf Banlon-Jersey. Regie der Schau: Rendezvous der Liebespaare auf dem Laufsteg. Wirkung: reine Poesie und glückseliger Sommer. Kosmetik und Mode: eindeutig dreißiger Jahre.

Ondulierte Wellenfrisuren, strahlend rot geschminkte Lippen, rosige Wangen. Langgezogene Jumperoberteile mit Schärpen über den Hüften, an breit eingereihten, wehenden Glockenröcken, die bis zur Wadenmitte reichten. Wippende Florentiner Hüte in Pastellfarben, mit Rosenkränzen geschmückt. Farbige Strümpfe. Flatternde Dreiecktücher, auf einer Schulter geknüpft. Über Blumen-Bikinis schenkellange Blumen-Blazer, in der Hand Mappen oder Koffer, mit Blumen bedruckt. Im Arm: den Schatz!

Die Jungen in lavendelblauen oder honigblonden Hosen mit Rollkragenpullovern, genauso bedruckt wie das Kleid der Partnerin, tanzten und sangen Beat zu früher Stunde. Prominente Gäste: Michelangelo Antonioni, Monica Vitti und „Blow-up“-Modell Veruschka von Lehndorff mit blonden Ringellocken und im bodenlangen weiß-schwarzen Kleid von Forquet.

Ken Scott, strahlend im schwarzen Samtsmoking mit weißem Volanthemd, vermißte am nächsten Tag acht Tischtücher, die aus seinem, mit riesigen Anemonen bedruckten Stoff auf allen Tischen dekoriert waren. Er hätte seinen begeisterten Gästen keine Matchsäcke verehren sollen, die, ebenfalls mit Anemonen bedruckt, viel Platz für Souvenirs aller Art boten.

Frivolitäten mit umwerfendem Luxus zeigte das Pelzhaus Fendi, das sich hinter einem gleichnamigen Geschäft für feine Lederwaren tarnt. Ein langes Deshabille aus schneeweißen Hermelinen wurde zwischen jedem Fell noch mit weißen Valenciennes-Spitzen geschmückt. Eindruck: Schneekönigin im Rauhreif. Das war aber nur der Auftakt zum Auftritt der Familien, jeweils mit einem Kind, alle in Pelz gehüllt. „Zur Jagd“, „Relaxing-Après-ski“, „Reise in privaten Jets“, „Russischer Winter“ – so hießen die lebenden Pelzbilder.

Eines steht fest: der Mann trägt, ob Lumberjack, Blazer oder langer Redingote-Mantel, seinen Pelz von nun ab nach außen. Ganz gleich, ob aus Nerz, Persianer oder Moustache-Biber, es steht ihm gut.

Bodenlange Nerz-, Tiger- und Zobelmäntel und der toastfarbene Golden-Chinchilla boten zumindest einen Lehrgang durch die Pelzmode. Pelz-Intarsien mit zwei bis dreifarbigen Nerzen für Tagesmäntel verrieten ein handwerkliches Können, wie man es kaum mehr zu sehen bekommt. Und aus Resten wurde eine Decke fürs liebe Ciahua-Hündchen gefertigt. Anregungen aus dem 18. Jahrhundert, mit Reminiszensen an Zarenherrlichkeit, bildeten das Schlußbild. Vater, Mutter und Kind im stiefellangen Skunksmänteln mit Jabot-Spitzengeriesel und Mozartzöpfen, im Arm braun verpackte Weihnachtspakete, mischten sich zwischen die Luxuspelzdamen – und entschwanden zusammen. M. R.