Unser Kritiker sah:

DER SCHWIERIGE Lustspiel von Hugo von Hofmannsthal Salzburger Festspiele, Landestheater

Hugo von Hofmannsthal dürfte bei seinen programmatischen Entwürfen für Salzburg kaum daran gedacht haben, daß just ein „Lustspiel“ aus seiner Feder zu Festspielehren kommen würde. Dennoch erweist sich bei der einzigen Neuinszenierung eines Schauspiels in diesem Sommer gerade „Der Schwierige“ als eine spezifisch österreichische Preziose, der Ausstellung wert.

Es ist weder weltbedeutend noch zukunftsträchtig, dieses leicht angegilbte Konterfei des „schwierigen“ Herrn mit den grauen Schläfen, der da zwischen zwei sehr verschiedenen Frauen steht und sich zum Schluß mit seiner jungen Cousine Helene Altenwyl verlobt. Die eigentliche Kostbarkeit ist das Spiegelbild jener aristokratischen Gesellschaft, die mit dem Ende des Habsburger-Reiches verschwand, hier aber noch einmal aufscheint in ihrem morbiden Glanz, ein zweites „sterbendes Rokoko“. Dafür hat Hofmannsthal eine Sprachform geprägt, deren Austriazismen zugleich signifikant und prezios wirken.

Dieses Juwel wurde von dem Regisseur Rudolf Steinboeck wiederholt inszeniert, in Wien, in Hamburg und jetzt für die Salzburger Festspiele. Es handelte sich dabei nicht um unterschiedliche Anschauungen vom Werk, sondern um den Nachbau eines eigenen Modells an anderen Orten. So vermerkt beispielsweise das Salzburger Programmheft, daß die Dekorationen von Lois Egg „in den Werkstätten der Salzburger Festspiele hergestellt“ worden seien; es lag ihnen jedoch der gleiche Entwurf wie für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg zugrunde.

Wandelbar wird sogar eine Idealinszenierung durch die Schauspieler. Das Transitorische ihrer Kunst, das auch dem besten Regisseur Grenzen setzt, wurde beklemmend spürbar durch den Besetzungswechsel in der Rolle der Helene Altenwyl. Aglaja Schmid ist aus ihr wohl herausgewachsen. Die Erinnerung jedoch bleibt als Maßstab lebendig. Was an dieser jungen Frau erspielbar ist, hat Gerlinde Locker unter Steinboecks Führung gezeigt. Die Doppelschichtigkeit, in der Helene mit dem Grafen Bühl vereint ist, blieb diesmal auf Hofmannsthals Worte beschränkt, wurde nicht Gestalt.

Andererseits machte Christiane Hörbiger als Antoinette Hechingen, Helenes Konkurrentin um das Herz des „Schwierigen“, deutlich, wie Schauspielkunst in der nächsten Generation nachwachsen kann. Die Tochter Paula Wesselys stellte in dieser Rolle eine neue „junge Wessely“ auf die Bühne, unheimlich in der Ähnlichkeit, doch keine Kopie der Mutter, sondern eine so sicher pointierte Eigenleistung, daß Christiane Hörbiger wiederholt Szenenapplaus bekam.