Ob man das beklagen oder begrüßen mag – bald wird es wahrscheinlich keine Kriege mehr geben! Wie so vieles andere sind sie, von relativ preisgünstigen Blitzfeldzügen abgesehen, einfach zu teuer geworden. Darum liegt der zukünftige Weltfrieden praktisch in den Händen der Finanzminister. Wenn die zusammenhalten – sich vielleicht manchmal heimlich treffen – kann es praktisch keinen Krieg mehr geben.

Darauf bin ich gekommen, als Franz Josef Strauß zum erfolgreichen Angriff auf unseren Wehr-Etat antrat und es ihm schon bei der ersten Vorwärtsverteidigung gelang, den zuständigen Verteidigungsminister zum Rücktritt zu zwingen.

Das hat in vielen Verteidigungsministerien eine Art Panikstimmung ausgelöst. Verzweifelt rang man dort die Hände und rief: „Wie konnte man auch in Bonn einen Ex-Verteidigungsminister zum Finanzminister machen! Der Mann weiß ja einfach zuviel!“

Auf unsere Ankündigung, die Truppenstärke zu vermindern, reagierte man in Amerika, England, Holland und Belgien mit der Drohung – solche Drohungen hört man gern –, sozusagen als Repressalie für diese Freveltat eigene Truppen abzuziehen. Wenn diese Eskalation so weitergeht, ist die Bundesrepublik eines Tages von Truppen vollständiger entblößt, als sich das Rapacki in keinen künhnsten Träumen ausmalen konnte.

Das wiederum dürfte nicht ohne Folgen bleiben auf die östliche Militär-Hierachie. Hartgesottene Alt-Stalinisten werden zwar sagen: „So, so, die rüsten ab – was für eine neue revanchistische Teufelei mag wohl dahinter stecken? – und für eine verstärkte Aufrüstung plädieren. Die Finanzminister aber werden ihre große Chance wittern, und sich im Namen der Entspannung an ihren eigenen Militär-Budgets vergreifen.

Nehmen wir die arabischen Staaten. Daß sie ihre Finanzen nicht gerne zur Hebung des Lebenstandards ihrer Menschen verwenden, sondern lieber in die Rüstung für einen Vernichtungsfeldzug gegen Israel stecken, ist bekannt. Aber nun fehlt ihnen sogar dazu das Geld. Bitter mag es sein, sich so was eingestehen zu müssen.

Bedenkt man ferner, daß England, seines schwachen Pfundes wegen, ferne Militärbasen räumen muß; daß sich das große Amerika gerade noch den Vietnam-Krieg leisten kann, aber kaum einen weiteren Krieg; daß Indien und Pakistan schon längst wieder übereinander hergefallen wären, hätten sie nur das Geld dazu; daß wahrscheinlich Griechenland und die Türkei sich nur aus dem gleichen Grunde jeder Feindseligkeiten wegen Zypern enthalten müssen, dann wird einem klar, daß wir nur noch einige Haushaltskrisen in der Welt brauchen, um zu einer dauerhaften Entspannung, wenn nicht gar zum Frieden zu gelangen. Zu einem Dritten Weltkrieg langt es vorn und hinten nicht. Der würde einfach viel zu teuer kommen.