Die Hamburg-Amerika Linie (Hapag) hat ihr 7 Schiffe umfassendes Ostasienprogramm abgewickelt, jetzt läuft das Westindien-Bauprogramm (10 Schiffe). Zwei Container-Schiffe für den Nordatlantik-Verkehr sollen in Auftrag gegeben werden, sobald die öffentliche Hand ihre Bereitschaft zur Finanzierungshilfe erklärt hat. Am 31. Dezember 1966 bestand die Hapag-Flotte aus 57 Frachtschiffen, Ende 1967 werden es bereits 66 sein.

Das alles wird mit einem Aktienkapital von nur 52,322 Millionen Mark bewältigt. Da nur rund 5 Millionen offene Rücklagen vorhanden sind, müssen zwangsläufig Bilanzrelationen entstehen, die wohl bei jeder anderen Gesellschaft finanziellen Großalarm ausgelöst hätten. Am Bilanzstichtag wären nämlich nur 33 Prozent des Anlagevermögens durch Eigenkapital, durch den aus der vorzeitigen Abrechnung der Wiederaufbaudarlehen des Bundes stammenden Sonderposten mit Rücklageanteil und durch die langfristigen Verbindlichkeiten gedeckt. Im Jahr zuvor waren es noch 60 Prozent.

Finanziert wurden die Neubauprogramme zu einem erheblichen Teil mit Akzepten, die am Jahresende 1966 auf 173 Millionen angelaufen waren. Beruhigend teilt indessen der Vorstand mit, daß bei Inanspruchnahme eines langfristigen Kredits von nur 5 Millionen von diesem Betrag ohne Inanspruchnahme der Wertpapiere (30,4 Millionen) bis Mitte 1967 schon fast 52 Millionen aus den laufenden Überschüssen abgedeckt wurden. Im Juli kam ein weiterer Abbau von 30 Millionen hinzu. Es ist also zu erwarten, daß die Konsolidierung der restlichen Akzeptverschuldung bis Ende dieses Jahres keine großen Probleme mehr aufwerfen wird.

Diese relativ günstige Entwicklung ist das Ergebnis eines bisher „befriedigenden“ Geschäftsganges, der neben der Schuldentilgung noch die Ausschüttung einer Dividende von wieder 8 Prozent zuläßt. Ob auch das zweite Halbjahr 1967 reedereifreundlich verlaufen wird, wagte der Vorstand nicht vorauszusagen. Das hängt weitgehend von dem Zeitpunkt ab, zu dem der Suezkanal wieder geöffnet wird. Durch die Schließung rechnet die Hapag mit Mehrkosten von rund 6 Millionen Mark bis zum Jahresende (durch höheren Ölverbrauch und die längeren Fahrzeiten um Afrika herum). Außerdem entstehen monatlich 400 000 Mark Kosten durch die Einschließung von MS „Münsterland“ in der Bittersee. Eine gewisse Entlastung werden im letzten Quartal die höheren Frachten in der Ostasien-Fahrt bringen. K. W.