Der Plan einer differenzierten Gesamthochschule für Baden-Württemberg

Von Hilke Schlaeger

Baden-Württemberg hatte nicht nur einen Ministerpräsidenten namens Kiesinger, der einst wie ein absolutistischer Fürst am Bodensee stand und sagte: „Hier will ich eine Universität bauen!“ Was dann auch geschah. In der hochschulpolitischen Landschaft der Bundesrepublik war Baden-Württemberg auch sonst schon immer eine rühmenswerte Ausnahme – selbst wenn nicht alle Betroffenen und vor allem nicht die anderen Länder mit den dort begonnenen Experimenten so restlos glücklich waren.

Baden-Württemberg hat auch einen Kultusminister, der rechtzeitiger als andere entschied: Zu den Hochschulen müssen wir uns außer Neugründungen noch einiges mehr einfallen lassen. Auch das geschah, und wieder, werden seine Kollegen dem Professor Wilhelm Hahn nicht nur Dank wissen: Er beschloß gemeinsam mit seinem Beirat für Bildungsplanung am 6. Juni 1966, einen Arbeitskreis zu gründen, der für alle Hochschulen des Landes einen umfassenden Entwicklungsplan aufstellen sollte; er machte den Vorsitzenden des Arbeitskreises, den Konstanzer Professor der Soziologie Ralf Dahrendorf, ein halbes Jahr später zu seinem Hochschul-Sonderbeauftragten und gab ihm einen Planungsstab aus Beamten seines Ministeriums an die Seite.

Der Arbeitsausschuß – in dem außer Dahrendorf die Professoren Bredereck (Stuttgart), Erlinghagen und Lindlar (Freiburg), Ludewig (BASF, Ludwigsburg) und von Weizsäcker (Heidelberg) mitwirkten – verstand sich als ein. Gremium von Sachverständigen, nicht als Gruppe von Interessenvertretern. Er hatte sich die Aufgabe gestellt, „bis etwa Ende des Jahres 1967 oder Beginn des Jahres 1968 einen Bericht mit Materialanhang zu erarbeiten, der, ausgehend von der gegenwärtigen Lage, ein phantasievolles und zugleich realistisches Bild des Hochschulbereiches in fünfzehn Jahren gebe“.

Wohin mit den Abiturienten?

Ein Jahr nach dem ersten Entschluß liegt die Arbeit fertig da: der „Hochschulgesamtplan für Baden-Württemberg – Empfehlungen zur Reform von Struktur und Organisation der wissenschaftlichen Hochschulen, pädagogischen Hochschulen, Kunsthochschulen, Ingenieurschulen und höheren Fachschulen“.