Meiner Ansicht nach sollte die Literatur nicht bemüht sein, die Probleme des Daseins zu lösen. Die ernste Literatur stellt sie.

Witold Gombrowicz

Bobrowskis Tod

Die Legende soll sich nicht verfestigen. In einer Kurzbesprechung von Johannes Bobrowskis nachgelassenem Roman „Litauische Claviere“ deuteten wir in der letzten Woche an, was seinerzeit in den Zeitungen berichtet worden war: daß Bobrowski im September 1965 möglicherweise nicht hätte sterben müssen, wenn es seinen Freunden aus dem Westen gelungen wäre, ihm rechtzeitig westliche Medikamente ins Krankenhaus zu bringen. Von denen, die dabei waren, hören wir dagegen, daß Bobrowskis Erkrankung im Krankenhaus von Köpenick mit allen irgend tauglichen Medikamenten, östlichen wie westlichen, behandelt wurde; und daß es gewiß nicht an der Teilung Deutschlands lag, wenn Bobrowskis Leben dennoch nicht gerettet werden konnte.

Fünf Stockwerke Kunst am Bau

Zweieinhalb Tage harter Arbeit auf einem Baugerüst und für 700 Dollar Farben brauchte der amerikanische Pop-Maler D’Arcangelo für New Yorks neuestes öffentliches Kunstwerk: ein halb abstraktes Wandgemälde, auf dem grünes Gras, blauer Himmel, weiße Wolken sowie rote und gelbe turmartige Gebilde zu erkennen sind. Die Tage dieses vergnügten Stillebens, das im Format 15 × 18 m die Seitenwand eines fünfstöckigen Hauses von Manhattans East Village ziert, sind allerdings gezählt. Die Baulücke, die hier seit dem Abbruch eines alten Hauses klafft, wird eines Tages wohl wieder mit einem Neubau gefüllt und die Kunst am Bau dem Auge des Bürgers so entzogen werden. Aber auch dann wird, wie die Dinge in Amerika liegen, spätestens alle drei Jahre Gelegenheit zu einer zwischenzeitlichen Besichtigung des Arcangeloschen Werkes gegeben sein.

Expressionisten-Premiere

„Zum erstenmal“ – wie der Verlagsprospekt versichert – gibt der Ost-Berliner Aufbau-Verlag „eine Auswahl expressionistischer Dramatik“ heraus. In den beiden Dramen-Bänden finden sich Barlachs „Der tote Tag“, Georg Kaisers „Von morgens bis mitternachts“, Walter Hasenclevers „Sohn“, ferner „Der Bettler“ von Reinhard Johannes Sorge, „Gas“ von Kaiser, Hasenclevers „Antigone“, Tollers „Wandlung“, „Die Gewaltlosen“ von Ludwig Rubiner und „Das bist du“ von Friedrich Wolf. Vorbereitet werden je ein Band mit expressionistischer Lyrik und Prosa.