Forschung von heute – Wohlstand von morgen“, dieser Titel ziert eine graphisch wie inhaltlich ansprechende Broschüre, herausgegeben vom Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung in der Absicht, beim Mann auf der Straße um Verständnis für die wachsenden Ausgaben des Staates für die Wissenschaft zu werben. Die Gleichung ist einleuchtend, obwohl bislang nur wenige Untersuchungen über die Korrelation zwischen der Forschungsaktivität und dem Wohlstand einer Nation durchgeführt und dabei nur recht magere Ergebnisse erzielt worden sind.

Bis vor kurzem hat man in der Volkswirtschaftslehre der Auswirkung von Forschung auf das wirtschaftliche Wachstum so gut wie keine Beachtung geschenkt. Allerdings dürfte dieser Zusammenhang auch nur in sehr groben Umrissen zu ermitteln sein; zumal wissenschaftliche Ergebnisse nicht nur zu Buch schlagen, wenn sie industriell anwendbar sind, sondern wahrscheinlich in weitaus stärkerem Maße indirekt das wirtschaftliche Wachstum eines Landes dadurch fördern können, daß sie der Nation zu einem größeren Ansehen auf wissenschaftlich-technischem Gebiet und damit zu größerem Vertrauen in ihre Industrieprodukte verhelfen.

Fraglos hatte die Tatsache, daß Deutschlands Universitäten, Technische Hochschulen und andere Forschungseinrichtungen einmal die bevorzugten Treffpunkte der wissenschaftlichen Elite der Erde gewesen sind, viel zur industriellen Weltgeltung dieses Staates beigetragen.

Auch wer nur den Kausalzusammenhang zwischen Grundlagenforschung und wirtschaftlichem Wachstum in einzelnen Industriezweigen untersucht, stößt auf Ungereimtheiten. So hat C. Freeman in seiner vergleichenden Studie „The Plastics Industry“ festgestellt, daß in Schweden die Produktion und der Verbrauch von Kunststoffen pro Einwohner an der Spitze liegen, obwohl in diesem Land Kunststoff-Forschung so gut wie gar nicht betrieben wurde.

Andererseits ist die Tatsache, daß die Bundesrepublik bis vor fünf Jahren in der Kunststoffproduktion den ersten Platz einnahm und heute an zweiter Stelle – hinter den USA – liegt, nach Freemans Ansicht nur damit zu erklären, daß Deutschland noch von dem guten Ruf profitiert, den ihm seine frühere Vorrangstellung auf dem Gebiet der Kunststofforschung eingebracht hat; denn die Produktionskosten sind hierzulande schon wegen des geringen Naturgasvorkommens relativ hoch.

Die Wechselbeziehungen zwischen Forschung und Wohlstand sind von vielen zum Teil unmeßbaren Parametern bestimmt – wer vermag festzustellen, ob und in welchem Maße die Tatsache, daß Carl Benz und Nikolaus Otto Deutsche waren, heute noch das Volumen des deutschen Automobilexports beeinflußt; wie soll man den Korrelationskoeffizienten bestimmen, der Auskunft über Sputniks Anteil am wachsenden Sozialprodukt der UdSSR geben könnte?