Im kommenden Jahr werden uns die Banken mit einer Neuerung „beglücken“, mit der sogenannten Scheckausweiskarte. Sie soll dazu dienen, den Scheck in der bundesdeutschen Bevölkerung populär zu machen. Er hat zwar in den letzten Jahren unverkennbar an Beliebtheit gewonnen, aber das reicht dem Kreditgewerbe noch nicht. Ihm schwebt das US-amerikanische Vorbild vor, wo der Scheck tatsächlich zum vollgültigen „Zahlungsmittel“ geworden ist.

Der Erreichung eines solchen Zieles stehen bei uns psychologische und juristische Hindernisse entgegen. Der Deutsche ist seit alters her an Barzahlung gewöhnt. Durch die Schaffung sogenannter Kleinkreditmöglichkeiten haben die Banken solche Neigungen unterstützt, denn diese Kreditform richtete sich eindeutig gegen den Teilzahlungskredit und gegen den 1960 eingeführten Kaufscheck, der bei Einkäufen innerhalb des Einzelhandels in Zahlung gegeben werden konnte.

Der Kaufscheck stieß bald auf Ablehnung des „mittelständischen Einzelhandels“, der die mit der Einlösung verbundenen zusätzlichen Arbeiten und Kosten scheute. Auch heute gibt es beim Einzelhandel gelegentlich Widerstand gegen die Bezahlung mit Bankschecks, nicht weil man das damit verbundene Einlösungsrisiko scheut, sondern weil Schecks zusätzliche Schreibarbeiten bringen.

Aber auch wer es gewohnt ist, bar zu bezahlen, kommt heute ohne Barschecks nicht ganz aus. Die verkürzten Arbeitszeiten des Kreditgewerbes (besonders an den Wochenenden) machen die Deckung des manchmal überraschend auftretenden Geldbedarfs bei Bank oder Sparkasse unmöglich. Leider gelingt es nicht immer, Bargeld durch Schecks zu ersetzen. Besonders nicht im Hotel- und Gaststättengewerbe.

Daß die Popularisierung des Schecks den Banken und Sparkassen Vorteile bringt, liegt auf der Hand. Sie können damit rechnen, daß das Volumen ihrer Kundenguthaben um den Teil steigt, der vom Publikum deshalb nicht in bar abgehoben wird, weil man künftig auch den Scheck gebrauchen kann. In Zeiten knappen Geldes kann das für die Banken recht nützlich sein.

Die Scheckausweiskarte, die ab 1968 den Banckunden zum Scheckbuch beigegeben wird, ist keine neue Erfindung. Sie wurde bereits 1960 propagiert, allerdings ohne nachhaltigen Erfolg. Damals besagte sie weiter nichts, als daß die Bank mit dem Kontoinhaber vereinbart hatte, daß er Schecks nur im Rahmen seines Guthabens ausstellen würde. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Für die Einlösung der Schecks übernahm die Bank keinerlei Garantie.

Die gewerkschaftseigene Bank für Gemeinwirtschaft ging dann einen Schritt weiter. Sie gab Schecks mit Einlösungsgarantie heraus und kollidierte mit der Bundesbank, die befürchtete, daß garantierte Schecks zum Geldersatz werden, was für die Geldpolitik schwerwiegende Folgen haben müßte. Also blies die BfG ihre Aktion ab.