Wenn die Sonne scheint, drückt die Sekretärin auf einen Knopf und dämpft das Licht im Zimmer durch eine Jalousie. Damit nimmt der Generaldirektor eine Sonderstellung ein, denn in den übrigen Stockwerken des Ford-Hochhauses gegenüber dem Köln-Deutzer Bahnhof, schließen sich die Jalousien automatisch, wenn die Sonne einfällt.

„Dabei könnten wir etwas mehr Sonne gebrauchen in unserem Geschäft“, sinniert Max Ueber. Seit er Ende Juni in den 15. Stock gezogen ist – seit 29 Jahren wieder der erste Deutsche auf dem Ford-Generaldirektorsessel –, hat es geschäftlich wenig Sonnenschein gegeben. Im Gegenteil: Das erste Halbjahr war für Ford besonders bitter.

„Wir stehen in hartem Wettkampf mit VW um den letzten Platz“, stellt Ueber mit einem Anflug von sarkastischem Humor fest. Um 25 Prozent sind die Ford-Zulassungen gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, VW verlor „nur“ 24,6 Prozent.

Doch das erschüttert den neuen Ford-Chef keineswegs. Es regt ihn auch nicht auf, daß Deutschlands drittgrößtes Automobilwerk seine Kapazität nur zu 85 Prozent auslastet. „Wir haben jahrelang auf den Punkt gewartet, zu dem es nicht mehr möglich sein wird, die Produktionsstätten voll auszunutzen.“ Nun ist die Situation eben da.

Sein Vorgänger Robert Layton, der Berliner mit dem amerikanischen Paß, der von Köln jetzt nach London umgezogen ist, um von dort aus den Verkauf von Ford-Autos auf dem europäischen Markt zu koordinieren – Layton hatte schon auf diesen Zeitpunkt hin gearbeitet. „Ich muß auch dann eine Rendite erwirtschaften können, wenn die Produktion nicht auf vollen Touren läuft“, sagte er vor zwei Jahren. Die Probe aufs Exempel läuft seit neun Monaten.

Auf Layton, den Finanzmann, folgte Ueber, der Verkäufer. Seit einer Generation dient der Freiburger Beamtensohn dem Unternehmen – 10 000 Arbeitstage. Er war in Berlin – bei der ersten Ford-Niederlassung – dabei und residiert seit 35 Jahren in Köln. Seit 1957 sitzt er in der Vorstandsetage, zuständig für den Verkauf, nachdem er vorher bereits vier Jahre lang Verkaufsdirektor war. Nun, im 63. Lebensjahr hat er die oberste Sprosse der Leiter erklommen.

Und jetzt heißt es für Ueber wieder: Verkaufen und noch einmal verkaufen. Denn es gibt nichts, was heute wichtiger wäre für eine deutsche Automobilfirma. Im ersten Halbjahr wurden in der Bundesrepublik 16 Prozent weniger Autos verkauft als im Vorjahr. Und was manchem Manager noch mehr Sorgen macht: Die Ausländer sind auf dem Vormarsch; Italiener und Franzosen verkaufen in Westdeutschland mehr Autos denn je.