Die Nachrichten aus China überstürzen sich – Nachrichten oder Gerüchte? Niemand weiß es. In Hongkong spricht man von Bauernaufständen, Reisende berichten von blutigen Zusammenstößen in Wuhan, Shanghei, Kanton, in die zum erstenmal in großem Stil oppositionelle Armee-Einheiten verwickelt sind; aus Moskau wird gemeldet, Mao-Gegner hätten in der inneren Mongolei alle Banken und Bahnhöfe besetzt, aus Taipeh, sie hätten die Straßen nach Tibet gesperrt.

Aber sind Hongkong, Moskau und Taipeh objektive Quellen? Da heißt es nmmer die japanischen Korrespondenten in Peking seien zuverlässiger, sie, die die Wandzeitungen zu entziffern vermögen. Aber einer von ihnen, der gerade die Meldung von schweren Grenzzwischenfällen zwischen sowjetischen und chinesischen Truppen in Sinkiang brachte, gibt zu bedenken, der Befehlshaber von Sinkiang, General Wang, habe vielleicht selbst diese Wandzeitung inspiriert – aus persönlichen Gründen.

Gerüchte hin oder her – eins steht dennoch fest: Staatspräsident Liu wird zwar immer wieder beschimpft, aber er wird weder abgesetzt noch vor ein Volksgericht gezerrt – also hat er offenbar zu viel Anhänger. Mao wird von vielen gehaßt, aber ohne ihn vermag niemand zu regieren. Das kann also noch lange so gehen. Die Revolution in Permanenz aber zehrt am Lande: die Produktionsziffern der Landwirtschaft fallen, Reis wird rationiert, die industrielle Produktion sinkt und ebenso der Geldwert, das Niveau der Ausbildung geht zurück. Nur eines steigt stetig – die Bevölkerungszahl. Und es wachsen die Fortschritte in der Atomindustrie, die der Armee unterstellt ist. Was auch geschehen mag, die Kombination dieser Daten bedeutet nichts Gutes. Dff