Der deutschen Ostpolitik gelang vorige Woche ein Doppelerfolg:

  • Sonderbotschafter Bahr handelte in

Prag ein deutsch-tschechoslowakisches Abkommen über die Errichtung von Handelsmissionen und über den Zahlungs- und Warenverkehr aus;

  • Bundesaußenminister Brandt reiste durch Rumänien, wo er mit KP-Chef Ceausescu, Staatspräsident Stoica, Ministerpräsident Maurer und Außenminister Manescu konferierte und ein Abkommen über wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit unterzeichnete.

Nach 15 Tagen, fast zur gleichen Minute, in der Brandt nach Rumänien startete, wurde Bahr mit dem stellvertretenden Außenhandelsminister Babacek einig: Prag und Bonn werden erstmals nach dem Kriege Handelsvertretungen austauschen, die sich freilich nach dem Willen der Tschechen auf ihre ökonomische Funktion beschränken sollen.

Unter den wachsamen Augen Ostberlins – DDR-Außenminister Winzer weilte am Konferenzort – hatte Bahr für die Mitglieder der deutschen Handelsmission zwar den Diplomaten-Status, nicht aber volle konsularische Befugnisse aushandeln können. Babacek konzedierte lediglich, die deutsche Vertretung dürfe tschechischen Touristen Sichtvermerke ausstellen. Die Frage, ob sie deutschen Touristen auch Rechtsschutz leisten dürfe, blieb offen.

Umstritten war bis zuletzt auch, unter welcher Bezeichnung die Bundesrepublik im Vertragstext firmieren sollte. Die Tschechen plädierten – aus rein sprachlichen Gründen – für „Deutsche Bundesrepublik“, eine Version, die die Deutsche Demokratische Republik seit langem zur Stützung ihrer Zwei-Staaten-Theorie im Ostblock verbreitet. Im übrigen, so erklärte Babacek, werde auch die „Bundesrepublik Österreich“ „Österreichische Bundesrepublik“ genannt.