Anti-Mao-Demonstranten kämpften gegen Mao-Anhänger auf der Nangking-Straße in Schanghai. Einheiten der Armee fuhren dazwischen, um den Streit zu schlichten. Richard Town, ein englischer Seemann, photographierte das Ergebnis der Straßenschlacht vom achten Stockwerk eines Hauses aus (unser Bild). Der Slogan auf dem umgestürzten Armee-Lastwagen lautet: „Lerne von der chinesischen Volksbefreiungsarmee.“

Die Volksbefreiungsarmee (2,6 Millionen Mann) feierte vorige Woche das 40. Jahr ihres Bestehens. Zu den Feierlichkeiten in Peking erschienen aber nur vier Befehlshaber aus den 13 Militärbezirken Chinas. Abwesend war auch Chen Tsai-tao, Kommandeur von Wuhan, wo die Armee gegen Mao Tse-tungs Kulturrevolution opponierte.

Chen soll inzwischen abgelöst worden sein. Am Wochenende mußte die Pekinger „Volkszeitung“ zugeben, daß es „in allen Gebieten“ Chinas zu Unruhen gekommen sei. Blutige Zusammenstöße wurden aus den sechs Provinzen Hupeh, Szetschuan, Jünnan, Kwantung, Kiangsi und Schantung gemeldet.

Die Armeezeitung „Rote Fahne“ schrieb: „Die Bourgeosie hat starken Rückhalt beim Militär.“ Ein anderes Blatt beschuldigte die Armee, Massenstreiks zu inszenieren und die Bauern zum „Sturm auf die Städte“ zu treiben. Die millionenstarke Volksmiliz wurde ermahnt, „nicht bedingungslos Befehle von der falschen Führung entgegenzunehmen.“

Tatsächlich scheinen sich Teile der Volksbefreiungsarmee, der im Februar 1966 als Ordnungsfaktor die Teilnahme an der Kulturrevolution befohlen wurde, immer mehr gegen das wachsende Chaos in China zu stemmen.

Die „Rote Fahne“ schrieb, Mao müsse vor allem die Streitkräfte von Opponenten säubern. Nach Meldungen der japanischen Zeitung „Mainichi Shimbum“ soll inzwischen eine Reihe führender Politkommissare in der Armee abgelöst worden sein.

Hinter dem Widerstand gegen die Große proletarische Kulturrevolution steht nach Meinung der Mao-Anhänger der angeblich entmachtete Staatspräsident Liu Schao-tschi, der „chinesische Chruschtschow“. Am vorigen Wochenende sollte er sich auf einer Massenkundgebung in Peking verantworten. Doch Liu zeigte sich nicht.