Mochte bei Kriegsende seine Welt auch in Scherben gefallen sein, mochte er sich als Flüchtling und Fremder auf der Nordseeinsel Borkum zunächst noch gestrandet fühlen – für Georg Schwedes, den Eisenwarenhändler der führerlosen, der schrecklichen ersten Zeit hatte die Zukunft schon begonnen. Der Tüchtige erkennt die Zeichen der Zeit eben früher als andere.

Er erwarb ein Stück bislang nutzloses Dünengelände, zehntausend Quadratmeter für etwa ebenso viele Deutsche Mark – ein günstiger Verkauf, wie es anfangs schien. Doch der Einkauf war weitaus günstiger. Denn das freie Kampieren in Borkums Dünen sollte nicht mehr geduldet werden. Der gewesene Eisenhändler mauserte sich zum Herrn über Campingplätze und entwickelte seinen Habitus zur Mischung von Seebär, und Bademeister. Und das Geschäft blühte.

Ehepaare schlugen bei Georg Schwedes ihre Zelte auf, Familien mit Kindern, Zeltmannschaften, Freundespaare, Einzelgänger, Einsame. Doch das genügte dem Tüchtigen nicht. In dieser Saison sann er auf eine Neuerung, die seinen Campingplatz von allen übrigen unterschiede. Er schuf den Campingplatz für Verlobte. Welch ein Einfall!

Verlobte Paare dürfen also zelten bei George Schwedes. Doch wer glaubt, die kühne Konzeption dulde den Vorgriff auf alle ehelichen Rechte, wird von der Platzordnung eines Besseren belehrt: Abends nach zehn Uhr haben die Liebenden sich zu trennen und die jeweils eigenen Zelte aufzusuchen. Des Erfinders Grundsätze erinnern an fast schon legendäre Zimmervermieterinnen, deren Tugendterror Generationen von Studenten geplagt hatten.

So könnte alles in bester Ordnung sein. Es schlägt zehn. Ein Nachtwächter umwandert den Campingplatz der einsam schlummernden Verlobten. Doch sein Augenmerk ist nur auf Räuber und Diebe gerichtet. Und alle könnten zufrieden sein.

Nur Georg Schwedes nicht, der Ideenträger. Groll nistet in seinem Herzen. Denn kirchliche und profane Moralwächter finden seinen Campingplatz für Verlobte weitaus interessanter, als glücklich liebende Paare, für die nach zehn im kleinsten Zelt plötzlich nicht mehr genügend Raum sein soll. Die Freiheit nämlich, die sie meinen, lassen sie sich auch von Georg Schwedes nicht gebührenpflichtig einschränken. Vom Andrang Verlobter Paare kann keine Rede sein. R. H.