Von Wolfgang Müller-Haeseler

Acht Wochen lang kletterten die Preise unentwegt; nun gaben sie zum erstenmal wieder nach: Tanker sind wieder billiger zu haben, vorerst zwar nur kleinere und damit unwirtschaftlichere Schiffe – aber immerhin, der Frachtratenboom für Erdöl zeigte in der letzten Woche den ersten kleinen Einbruch.

Zähneknirschend und schimpfend muß der Autofahrer seit Juni, seit der Nahost-Krieg den Suezkanal verstopfte, jedesmal tiefer in die Tasche greifen, wenn er an einer Tankstelle hält. Gibt es für ihn nun einen Silberstreifen am Horizont?

Wäre es nach dem Willen einiger arabischer Länder, allen voran Ägyptens, gegangen, müßten die deutschen Autofahrer nicht höhere Benzinpreise zahlen, sondern gänzlich auf des Wirtschaftswunders liebstes Kind, das Auto, verzichten. Seit dem Ausbruch der Nahost-Krise trommeln die radikalen Araberstaaten, um einen vollständigen Erdöl-Boykott der Länder zu erreichen, die nach ihrer Meinung Israel unterstützt haben. Und dazu gehört – laut Kairo – neben den USA und England vor allem die Bundesrepublik Deutschland.

Radio Dschidda, in Saudi-Arabien am Roten Meer gelegen, kontert kühl: Wenn auch nur die Hälfte der Einnahmen aus dem Erdölgeschäft ausfiele, käme nicht nur jede Weiterentwicklung in Arabien zum Stillstand, es könnten auch keine Armeen mehr unterhalten werden und selbst das in den letzten Jahren mühsam aufgebaute Schulwesen sei wieder bedroht.

Den deutschen Autofahrer kümmern diese arabischen Querelen wenig. Für ihn ist es nach wie vor selbstverständlich, daß er, wann auch immer sein Tank leer ist, bei seiner Tankstelle vorfährt und das Benzin in seinen Tank sprudelt. Allerdings kann man in den letzten Wochen immer öfter erleben, daß der Kunde nicht gerade freundliche Worte für seine Mineralölgesellschaft fand, weil sie nach seiner Ansicht die Nahost-Krise zu einem schamlosen Griff in sein Portemonnaie ausnutze. Tatsächlich haben die Benzinpreise den höchsten Stand seit sieben Jahren erreicht.

Die Suez-Krise von 1956 hatte der Bundesrepublik – mit 66 Pfennig für einen Liter Normalbenzin – die höchsten Benzinpreise der Nachkriegszeit beschert. Dann purzelten sie Jahr für Jahr, bis der Autofahrer 1963 nur noch 57 Pfennig zu bezahlen brauchte. Im vergangenen Jahr schließlich gab es den großen Rutsch, so daß Ende 1966 ein Liter Normalbenzin noch ganze 51 Pfennig kostete – wenn man Markenbenzin tankte. Freie Tankstellen blieben teilweise noch darunter.