Paul Hindemith: „Oktett“ und Serge Prokofieff: „Quintett op. 59“; Philharmonisches Oktett Berlin; Deutsche Grammophon Gesellschaft 139 309, 25,– DM

Paul Hindemith: „Oktett“ und Benjamin Britten: „Sinfonietta“; Wiener Oktett; Decca SXL 21 115 – B, 21,– DM

Bei den Berliner Festwochen 1958 gab es eine kleine Sensation. Paul Hindemith griff noch einmal zu dem Instrument, mit dem er einmal angefangen hatte und berühmt wurde: Bei der Uraufführung seines der Kammermusikvereinigung der Berliner Philharmoniker gewidmeten Oktetts spielte er den ersten Bratschenpart. Das Oktett zieht die kammermusikalische Summe aus fünfundzwanzig Exil-Jahren, die mit dem „Mathis“ und der Vertreibung aus Deutschland begonnen hatten. „Mathis“-Klänge sind noch in diesem Spätwerk zu hören und Hindemiths vielgelobte und oft geschmähte Kunst der Polyphonie, seine Vorliebe für Altdeutsches, für Suite und Fuge bestimmt die Form.

Die Aufnahme mit den Berlinern hat der ihrer Wiener Kollegen einiges voraus: Sie ist klanglich heller, ist leichter, munterer, die Tempi sind hier zügiger, und das Ensemble wirkt wesentlich geschlossener. Hindemiths Kunstfertigkeit im linear-mehrstimmigen Satz ist sicherlich bewundernswert, interessanter aber sind die Klangkolorits und die rhythmischen Ausgefallenheiten. Die Berliner verlegen sich nicht aufs Grübeln in Richtung Form und Satztechnik, sie zeigen die Farben, und sie liegen damit günstiger als die das Altmeisterliche betonenden Wiener. Schließlich ist auch die Koppelung bei Grammophon interessanter: Prokofieffs Ballett-Quintett scheint mir weit bemerkens- und sammelnswerter als Brittens spätromantisches Opus 1. Heinz Josef Herbort