Frankreichs Arbeiter sollen es besser haben. So beschloß es vergangene Woche General de Gaulle. Die Arbeiter sollen am Ertrag ihrer Unternehmen beteiligt werden. Die Gewinnbeteiligung gilt für alle Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten. Vom Januar 1968 an sollen etwa fünf Millionen der 13,7 Millionen Arbeitnehmer an den „Früchten der Expansion“ teilhaben.

Der Plan wurde noch nicht sofort in allen Einzelheiten veröffentlicht. General de Gaulle wollte vorher noch das Lob seines Plans im Fernsehen singen. Erst nach dem 10. August sollten deshalb die Franzosen genauer informiert werden.

Im Prinzip wird der versteuerte Gewinn der Betriebe zunächst dazu benutzt, das Eigenkapital mit einem bestimmten Satz (wahrscheinlich 5 Prozent) zu verzinsen. Was dann noch übrigbleibt, gilt als sogenannter Übergewinn.

Von diesem Übergewinn werden zwischen 60 und 75 Prozent zu gleichen Teilen auf Arbeitnehmer und Kapitaleigentümer verteilt. Dadurch soll erreicht werden, daß die Beschäftigten in gewinnintensiven Betrieben mit geringer Belegschaft (wie beispielsweise Raffinerien) nicht ungleich günstiger gestellt werden, als die Mitarbeiter solcher Unternehmen, die mit vielen Arbeitern und Angestellten arbeiten und nur durchschnittliche Überschüsse erzielen (Bauunternehmen).

Die französische Regierung schätzt, daß die Arbeitnehmer pro Kopf jährlich 200 bis 800 Franc bekommen werden. Dieser zusätzliche Lohn wird nicht bar ausgezahlt, sondem in Form von Aktien, Schuldverschreibungen oder als Anteil an einer Finanzierungsgesellschaft ausgegeben.

Dieser Gewinnanteil der Belegschaft wird für fünf Jahre im Betrieb festgelegt, damit die Investitionskraft des Unternehmens nicht geschwächt wird.

„Mein Plan geht noch weit über diese Reformen materieller Natur hinaus. Er sieht vor, der Arbeiterschaft innerhalb der nationalen Wirtschaft eine Verantwortung zu übertragen, die sie über ihre bisherige Rolle hinaushebt. Sie soll am Geschäftsgang der Unternehmen teilnehmen, Arbeit und Kapital sollen gleichberechtigt sein.“ So schrieb Charles de Gaulle im Jahre 1954/55 in seinen Memoiren.

Die Gewinnbeteiligung, die gegenwärtig in Frankreich noch mehr Gegner als Befürworter findet, muß nach Ansicht vieler Wirtschaftler zwangsläufig zur Mitbestimmung der Arbeitnehmer führen, da ein solcher Plan ohne scharfe Kontrollen nicht funktionieren kann. Die Unternehmen haben sonst zu viele Möglichkeiten, das Gesetz zu umgehen. Obwohl nach Verkündung der Reformpläne die Kurse an den französischen Börsen zusammenbrachen, glaubt sich der General auf dem richtigen Weg. Er hofft „die Schranken einzureißen, die die sozialen Klassen trennen“. glp.