Mütter kleiner Mädchen wird aufhorchen lassen, was das Psychologen-Team der Doktoren James Cameron, Norman Livson und Nancy Bayley vom „Institute of Human Development“ der Kalifornia-Universität in Berkeley meldet. Ihr Ergebnis aus vierzigjähriger Untersuchung lautet: Früh kräht in der Wiege, was später eine kluge Frau werden wird.

Im Gegensatz zur Allerweltmüttermeinung glaubten die Psychologen bisher, daß aus dem Verhalten von Kleinstkindern im Alter von der Geburt an bis zu zwei Jahren keine Schlüsse auf den später sich entwickelnden Intelligenzgrad gezogen werden könnten. Vorhersagbar ist die Schulalterintelligenz, wenn die Probanden zwei bis vier Jahre alt sind. Und vom vierten Jahr ab, wenn verbale Fähigkeiten und Geschicklichkeit herangereift sind, können brauchbare Anhaltspunkte gewonnen werden für eine Prognose der Erwachsenenintelligenz.

Die Kalifornia-Psychologen aber wollten frühere Hinweise auf künftige geistige Fähigkeiten ermitteln; Sie testeten erstmals im Jahre 1928 sechzig Babys und wiederholten ihre Prüfungen in Abständen von einem Monat, bis die Testpersönchen 18 Monate alt waren. Vergleichsuntersuchungen wurden dann im Alter zwischen 6 und 26 Jahren wieder vorgenommen.

Bei Knaben mußten die Forscher feststellen, daß in den ersten anderthalb Lebensjahren wohl noch alle Anzeichen für künftige Cleverness tief schlummern und keine Vorhersage möglich ist. Mädchen hingegen verrieten schon stimmlich in den Windeln, zu welch geistiger Gewandtheit sie einst fähig sein werden. Denn sechs der sieben Baby-Tests bezogen sich auf die Entwicklung der Vokalisation.

Gemessen wurden:

  • Wann heftige Begierde erstmals stimmlich durch Kreischen und ähnliche averbale Laute ausgedrückt wurde (Durchschnitt 5,6 Monate).
  • Andere zornige Bekundungen von Unbehagen als Kreischen (Durchschnitt 5,9 Monate).
  • Stimmhafte Ausrufe – etwa „ha-ji!“ – (Durchschnitt 8,1 Monate).
  • Das Kind sagt „ga-ga“ oder etwas Äquivalentes (Durchschnitt 8,5 Monate).
  • Es zieht an einem Band ein begehrtes Objekt, einen leuchtend gefärbten Ring, heran (Durchschnitt 9,6 Monate).
  • Der erste Zweiwortsatz (Durchschnitt 12,9 Monate).
  • Das Kind benutzt unartikulierte Laute mit der Intonation der Erwachsenensprache zur Bezeichnung von etwas Bestimmten – Kleinstkinderjargon – (Durchschnitt 13,5 Monate).

Überdurchschnittlich ist, wer diese Durchschnitte unterbietet. Dies jedenfalls gilt nach dem Untersuchungsergebnis der kalifornischen Wissenschaftler – es wurde in der Zeitschrift „Science“ (21. Juli) veröffentlicht – mit statistischer Signifikanz für Mädchen.

Beim Messen künftiger Intelligenz von Babys, so meinten die Psychologen, muß man mangels anderer Parameter vorzugsweise die Fähigkeiten des sprachlichen Ausdrucks testen, und so mag frühe stimmliche Entwicklung auch ein Anzeichen sein für das Hervorlugen überdurchschnittlich sich entfaltender Intelligenz. G. A. H.