ekanntermaßen ist kaum etwas ähnlich geeignet, weibliches Interesse und weibliche Phantasie zu wecken, wie eine Fürstenhochzeit. Von Lieschen bis Dr. Lieselotte Müller zeigen sich an nahezu jeder Frau Symptome des von Experten angewandter Soziologie terminologisierten (Identifikations) Faktors, wenn sich irgendwo gekrönte oder irgendwann zu krönende Häupter unterm Hochzeitssegen beugen.

Ob Beatrix oder Baudouin freit, Konstantin oder neuerdings Hans Adam von Liechtenstein: allemal geht von emtm solchen Ereignis das gewisse Etwas aus; eine Mixtur von großer weiter Welt, von high soriety und süßem Dasein, von Hof und Höfischem, von Boudoir und Jacques Heim. Es vollzieht sich ein Märchen für Erwachsene, es realisieren sich die Gedanken der letzten halben Stunde vor dem Einschlafen, es wird zum Bild, was vorher Schemen war — zu besichtigen auf der Bildröhre und in der "Neuen Welt am Sonnabend" und in der "Eleganten Welt" und im "Spiegel" und überall.

Die fürstlichen Brautleute haben heutzutage die Verlobungsringe noch nicht getauscht, da rüsten schon allenthalben die publizistischen Zwischenhändler zu neuen — im Stile jedoch alterprobten — Taten. Es wird gesorgt, daß dem elektronischen Kameraauge auch nicht die leiseste Regung im Gesicht der Brautleute entgeht; und keine fürstliche Braut der Welt könnte eine so winzige Träne weinen, daß sie nicht doch deutlich sichtbar über Millionen Bildschinne ranne. Und es schwärmen die Beauftragten der unterschiedlichsten Druckschriften aus, sei es, sie behandelten ihr Papier mit gelber Farbe oder kupfertief. Wie sie gehen, wie sie stehen, ist ihre Absicht die gleiche: Sie feilen solange an dem Rohstoff, bis er fugenlos ins alte Klischee paßt. Der Thronfolger Otto Habsburg unter den Hochzeitsgästen: Würdig sitzt er da, nahezu majestätisch, eine Persönlichkeit voller Adel, traurig, traurig — paßt. Die Braut über und über bestreut mit Adjektiven aus der Zuckerstreudose, süß, süß — paßt.

Oder andersherum, sozusagen von links: Unter den Hochzeitsgästen Otto Habsburg, der Tirolreisende, von Feuerwehrleuten bejubelt, von Blümchen schwenkenden Kinderchen geehrte, von Dorfbürgermeistern gefeierte österreichische Thronfolger, tristesse in den Schnurrbartspitzen und weit und breit nichts zu regieren. Paßt auch. In Liechtenstein heiratete der Erbprinz Hans Adam, 22 Jahre alt, Student der Nationalökonomie, die Gräfin Marie Kinsky von Wchinitz und Tettau, 27 Jahre alt, diplomierte Gebrauchsgraphikerin, zuletzt wohnhaft in München, geboren in Prag.

Die Liechtensteins stammen aus der Gegend von Wien und betrieben vor nunmehr 250 Jahren erfolgreich die Erhebung ihrer damaligen Grafschaften Schellenbeig und Vaduz zum Fürstentum. Zwei Jahrhunderte beschränkten sie sich auf die Ehre; sie regierten von Wien aus, und der erste Landesherr zeigte sich überhaupt erst 123 Jahre nach der Erhebung seinem Volke. Der erste, der allen Ernstes daranging, Liechtenstein von Liechtenstein aus zu regieren, war der jetzige Fürst, Josef II, der 1938 vor den Nationalsozialisten nach, Liechtenstein auswich und seither über der Trutzburg sein mildes Szepter schwingt. Historisches oder sonstiges Aufsehen hat das Land vorher und nachher nicht erregt, abgesehen von einem merkwürdigen Vorfall, als vor hundert Jahren beim einzigen (kampflosen) Einsatz des liechtensteinischen Heeres ein Mann mehr zurückkehrte, als Soldaten ausgezogen waren.

Solche — vergleichsweise kaum bedeutsame — Historie wäre im allgemeinen nicht dazu angetan, der Hochzeit des Erbprinzen größeren Pubiikumszulauf zu sichern. Was das Besondere an dieser liechtensteinischen Hochzeit ausmacht, ist in der Reihenfolge seiner Bedeutung folgendes: a) Fürst bleibt Fürst; b) Liechtenstein ist halt gar so putzig; c) es war eine relativ große Hochzeit in einem relativ kleinen Land.

Also fehlte dieser Hochzeit nichts, was auch die anderen alle auszeichnete, nichts vom Brimborium, nichts vom Tamtam, nur ein paar bedeutsame Gäste hätten noch gefehlt. Zwd r wies die Gästeliste schockweise Herzöge, Erzherzöge, Prinzen, Prinzessinnen, Markgrafen, Burggrafen, Reichsgrafen und gewöhnliche Grafen auf, aber Prinz Philip beispielsweise sagte sein Erscheinen nur für den Fall zu, daß seine Polomannschaft, die zur Zeit eine Meisterschaft bestreite, bereits im ersten Spiel ausscheide. Offenbar ist das Team stegreich gewesen.