DIE ZEIT

Böse Daten

Die Nachrichten aus China überstürzen sich – Nachrichten oder Gerüchte? Niemand weiß es. In Hongkong spricht man von Bauernaufständen, Reisende berichten von blutigen Zusammenstößen in Wuhan, Shanghei, Kanton, in die zum erstenmal in großem Stil oppositionelle Armee-Einheiten verwickelt sind; aus Moskau wird gemeldet, Mao-Gegner hätten in der inneren Mongolei alle Banken und Bahnhöfe besetzt, aus Taipeh, sie hätten die Straßen nach Tibet gesperrt.

Generalangriff

Mitten in den Ferien erlebt Frankreich einige politische Auftritte, die wie Wetterleuchten ein Gewitter ankündigen. Die Opposition bereitet eine parlamentarische Herbstoffensive vor, die von großen Streikdemonstrationen unterstützt werden soll.

Wenn Nasser klug ist...

Titos Besuch in Kairo mag entscheidend dazu beitragen, der Stimme der Vernunft in der arabischen Welt nachdrücklich – das Wort sei wiederholt: nachdrücklich – Gehör zu verschaffen.

Tomaten-Mark

Kritiker des Gemeinsamen Marktes haben diesen von jeher gern als Superkartell abqualifiziert. Dies ist ein Vorwurf, der nicht unbegründet erscheint, wenn man erfährt, daß jetzt allenthalben große Mengen Gemüse vernichtet werden, um die Preise zu halten, während gleichzeitig die Produzenten, vielmehr die „Vernichter“, dafür aus der EWG-Kasse Kompensation erhalten.

Reise mit schwerem Gepäck

Bundeskanzler Kiesinger rüstet sich zu seinem ersten Besuch in Washington, wo er Anfang nächster Woche den amerikanischen Präsidenten sprechen wird.

König auf Leben und Tod

Die erste Geschichte: Zwischen den israelischen und jordanischen Soldaten war noch kein Schuß gefallen. In seinem Palast auf einem der Hügel Ammans empfing Jordaniens erster König Abdallah heimlich eine Frau, die sich als Moslem verkleidet hatte.

ZEITSPIEGEL

Strafanzeige wegen Aufforderung zur Brandstiftung stellte der Berlin-Tourist Albrecht Strebe aus Eltze über Peine bei seinem Polizeirevier.

In Sachen Swetlana Stalina

Der Händler der aus der Kälte kam, hatte schon in London Geschäfte gemacht, bevor er sich anschickte, an der Alster sein Geld zu kassieren.

Eine Frage an Axel Springer

Die Story war schlecht dargeboten. Sie war nicht geradeaus erzählt, sondern eher kreuz und quer. Sieben "Spiegel"-Seiten und noch eine halbe dazu; Photos, Faksimiles der Dokumente inbegriffen.

Rote Partner am Schwarzen Meer

Unten am marmornen swimming-pool, der zwischen englischem Rasen und Blumenbeeten in den weißen Sand des Schwarzmeer-Strandes gebettet ist, standen fast sechs Stunden lang verwaist die drei Staatstelephone, die auch hier noch den ersten Mann Rumäniens direkt mit der Hauptstadt und ihren Kommandozentralen verbinden.

Unter dem Atem des Drachens

Die Arbeiter in Hongkong haben im letzten Jahrzehnt im Durchschnitt ihre Löhne verdoppelt. Es herrscht Vollbeschäftigung in dieser wirtschaftlich blühenden Vier-Millionen-Stadt, deren Exporterlös die Ziffer Pakistans (mit 90 Millionen Einwohnern) erreicht.

„Laßt uns Amerika niederbrennen!“

Als ich Ende Mai in der Zeitschrift U. S. News and World Report einen „Schwarzen Blitzkrieg“ als Vorläufer eines Rassenbürgerkrieges vor Ende dieses Jahrhunderts voraussagte, wurde ich von weißen Lesern mit Briefen überschüttet, die meine Prophezeiung in schärfster Form verurteilten.

Paul Löbe

Es ist 35 Jahre her, daß Paul Löbe den Sessel des Reichstagspräsidenten räumen mußte. Von 1920 bis 1932 hatte er dieses Amt geführt.

Verschönern und beschönigen

Die sowjetische Jubiläumsfeier zum fünfzigsten Jahrestag der Oktoberrevolution von 1917 soll offenbar zum größten Staatsjubiläum der modernen Zeit werden.

Blind gegen die Wirklichkeit

50 Jahre nach der bolschewistischen November-Revolution scheint selbst das bürgerliche Bewußtsein von leninistischen Vorstellungen geprägt worden zu sein.

Was darf Lübke?

Hans-Joachim Winkler: Der Bundespräsident – Repräsentant oder Politiker? Modellanalysen der Akademie für Wirtschaft und Politik in Hamburg, Reihe Staat und Politik, Nr.

Mehr Soldaten, mehr Steuern für Vietnam

Immer schwerer wiegt die Bürde des Vietnamkrieges für die USA: Präsident Johnson ist entschlossen, die US-Truppen bis Ende Juni nächsten Jahres um weitere 45 000 Soldaten auf 525 000 Mann zu verstärken.

Kämpfe im Regenwald

Seit der Einnahme Nsukkas im Nordwesten Biafras vermochten sich die Truppen der Zentralregierung unter Generalmajor Gowon nicht näher als 45 Kilometer an die Rebellen-Hauptstadt Enugu heranzukämpfen.

China im Strudel der Tumulte

Anti-Mao-Demonstranten kämpften gegen Mao-Anhänger auf der Nangking-Straße in Schanghai. Einheiten der Armee fuhren dazwischen, um den Streit zu schlichten.

Namen der Woche

Adolf Heusinger, General a. D., 1955 bis 1961 erster Generalinspekteur der Bundeswehr, bis 1964 Vorsitzender des ständigen Militärausschusses der NATO, feierte seinen 70.

Von ZEIT zu ZEIT

Außenminister Willy Brandts Reise nach Rumänien brachte bei ausgedehnten Gesprächen mit den Spitzenpersönlich- keiten der Partei und der Regierung in wichtigen Fragen eine bemerkenswerte Annäherung.

Treffen der Revolutionäre

„Die Pflicht jedes Revolutionärs heißt Revolution!“ Unter diesem Motto versammelte sich in Havanna die erste Konferenz’ der „Organisation für lateinamerikanische Solidarität“ (OLAS), die Fidel Castro im Januar 1966 aus der Taufe gehoben hatte.

Kunst und Kühe in Kuba

LA HABANA LIBRE strahlt in riesigen Leuchtbuchstaben über der nächtlichen Stadt. La Habana Libre ist zunächst ein modernes Hochhaus mit dreißig Stockwerken – das größte Hertel von Kuba.

Kunst wie Kühlschränke

Die Tradition der bildenden Kunst ist mit einem Wort eine Tradition des Hand-Werks. Aus gutem Grund ist bis in die Renaissance hinein kein Unterschied zwischen Künstlern und Handwerkern gemacht worden.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Bei den Berliner Festwochen 1958 gab es eine kleine Sensation. Paul Hindemith griff noch einmal zu dem Instrument, mit dem er einmal angefangen hatte und berühmt wurde: Bei der Uraufführung seines der Kammermusikvereinigung der Berliner Philharmoniker gewidmeten Oktetts spielte er den ersten Bratschenpart.

Kunstkalender

Ihre beste Zeit waren die gemeinsamen Jahre mit Kandinsky. Aber es zeigt sich immer deutlicher, daß es voreilig war, aus der langen Gemeinschaft eine künstlerische Abhängigkeit zu konstruieren.

Kein Schreihals vom Dienst sein

MARCEL REICH-RANICKI: Einige deutsche Schriftsteller, auch bedeutende, haben in den letzten Jahren ihre eigentliche Arbeit mehrfach unterbrochen, weil sie es für ihre Pflicht hielten, in die Politik unmittelbar einzugreifen.

Verregnete Große Oper

Die Münchner Opernfestspiele sind seit dem vorigen Sommer um eine des Wetters wegen riskante, aber populäre Einrichtung erweitert worden.

ZEITMOSAIK

Bislang hatten vor allem Filme die Väter und Mütter der argentinischen beratenden Kommission für die moralische Qualifizierung von Theaterstücken schockiert.

Perserkrieg in Berlin

Fahren wir fort. Im Jahre 1931 der christlichen Zeitrechnung, 1310 der Schamssi, hat Risa Schah Pahlavi, der Gewaltherrscher im Reiche des „Silbernen Löwen“, den offenen Kampf gegen die persische Emigration in Berlin eröffnet.

Fernsehen: Ein Epigone Amerys

Da reisten also zwei Japaner durch das Land, tranken in München Bier und Äppelwoi im hessischen Land, tranken den Rebensaft aus altdeutschem Humpen und tranken am Rhein den köstlichen Wein.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT die Porträtgalerie einer Familie aus Chicagos Society, enthält die Lehre: „Man sollte es reiche Leute nie, nie fühlen lassen, daß sie reicher sind als man selbst.

Das Hakenkreuz im Spinnennetz

Den einzigen politischen Roman der Epoche, mit allen Vorzügen und Nachteilen dieser Gattung, hat Hans Grimm mit ‚Volk ohne Raum‘ (1926) geschrieben.

Keats, durch den Computer gejagt

Faulkners Stellvertretung für den Süden der USA ist unbestritten. Der Autor einer Region zu sein, ist in Amerika durchaus ein Kompliment und steht der nationalen Geltung nicht im Wege.

Die alten Grenzen bröckeln

Die Franzosen haben gesellschaftliche Form, die Deutschen schöpferische Imagination – das ist eine jener Antithesen, die wir nachgerade für bare Münze nehmen, weil sie uns seit Jahrhunderten in die Ohren klingt.

Der Vetter der Tiefe

Emil Nolde hatte am 7. August 100. Geburtstag. „Nolde, die uralte Seele“, beginnt Paul Klees Huldigungsseite in der Festschrift zu Noldes 60.

Gefangene Schriftsteller

Die Versammlung des fünfunddreißigsten Internationalen PEN-Kongresses in Abidjan (Elfenbeinküste) ist bestürzt angesichts der fortgesetzten Fälle von Freiheitsbeschränkungen, denen Schriftsteller durch Regierungen ausgesetzt sind, und gibt ihre ernste Mißbilligung zur Kenntnis.

FILMTIPS

„Blow Up.“ Von Michelangelo Antonioni. Ein Italiener in London. Was den Helden früherer Antonioni-Filme schmerzlich bewußt wurde: „das Versagen des modernen Menschen gegenüber den Ansprüchen des Du“, ist hier scheinbar ins Positive gewendet – das „Du“ stellt keine Ansprüche mehr.

Konzerte zur Erholung

Mit einer halben Anzeigenseite warb die „Direction des Bades“ 1890 in der Illustrirten Zeitung für den jungen Kurort: „Das Stahlbad ‚Victoria‘, Hitzacker ist Bahnstation und liegt wildromantisch, unmittelbar am Wald und an der Elbe.

Die Konzerne bitten zur Kasse

Acht Wochen lang kletterten die Preise unentwegt; nun gaben sie zum erstenmal wieder nach: Tanker sind wieder billiger zu haben, vorerst zwar nur kleinere und damit unwirtschaftlichere Schiffe – aber immerhin, der Frachtratenboom für Erdöl zeigte in der letzten Woche den ersten kleinen Einbruch.

Billige Beamte

Daß die Beamten den Staat weniger kosten als die Angestellten im öffentlichen Dienst, ist genau das Gegenteil dessen, was bisher allgemein angenommen wurde.

De Gaulle

Es gibt Probleme, die nur durch praktische Erfahrungen gelöst werden können. Die Tagungsprotokolle und Publikationen über Berechtigung und Möglichkeit einer Beteiligung der Arbeitnehmer am Vermögenszuwachs der Wirtschaft füllen bereits ganze Bibliotheken, ohne daß sich eine Klärung der damit aufgeworfenen Fragen abzeichnet.

Aggressiv

Lügen haben kurze Beine. Diese alte Weisheit gilt auch noch im Zeitalter der Computer und Raketen. Diese Erfahrung mußte kürzlich Ostberlin machen, als es sich bei einem Versuch, Bonn wieder einmal etwas am Zeuge zu flicken, arg vergaloppierte.

Porträt: Max Ueber: Autofrühling im Herbst?

Wenn die Sonne scheint, drückt die Sekretärin auf einen Knopf und dämpft das Licht im Zimmer durch eine Jalousie. Damit nimmt der Generaldirektor eine Sonderstellung ein, denn in den übrigen Stockwerken des Ford-Hochhauses gegenüber dem Köln-Deutzer Bahnhof, schließen sich die Jalousien automatisch, wenn die Sonne einfällt.

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